Teil eines Werkes 
5. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

256

Mary fiel oben an Bertha's Bett auf die Kniee. Der Prieſter trat ein mit dem Ciborium in der Linken, der geweihten Hoſtie in der Rechten.

In dieſem Augenblick fühlte Mary Bertha's Hand, welche die ihrige ſuchte; die junge Frau glaubte, es geſchehe blos, ſie zu drücken.

Sie irrte ſich. 5

Bertha ließ einen Gegenſtand in ihre Hand gleiten, den ſie für ein Medaillon erkannte.

Sie wollte es anſehen.

Nein, nein, ſagte Bertha,erſt wenn ich todt bin.

Mary machte ein Zeichen, daß ſie ſich der Vor⸗ ſchrift fügen wollte, und neigte den Kopf auf die gefalteten Hände.

Die Zelle hatte ſich mit Nonnen gefüllt, welche ſich auf die Kniee geworfen, und ſo weit der Blick in den Corridor reichte, ſah man andere, die gleichfalls in ihrem düſteren Gewande knieend beteten. 1

Die Sterbende ſchien wieder einige Kraft zu gewinnen, um vor ihrem Schöpfer zu erſcheinen. Sie richtete ſich auf und flüſterte:

Hier bin ich, mein Gott!

Der Prieſter legte die Hoſtie auf ihre Lippen. Die Sterbende ſank mit geſchloſſenen Augen und gefalteten Händen zurück.

Wäre die Bewegung ihrer Lippen nicht ſichtbar geweſen, man hätte glauben können, ſie ſei todt, ſo bleich war ihr Geſicht, ſo ſchwach der Athem, der aus ihrer Bruſt kam.

Der Prieſter vollzog die andern Ceremonien