Teil eines Werkes 
4. Bd. (1858)
Entstehung
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25⁵

O unglückliches Kind, da biſt Du endlich!

Michel, der eine ſolche Aufnahme nicht erwar⸗ tete, wurde davon gerührt und warf ſich ſeinerſeits in ihre Arme, indem er rief:

Meine Mutter! meine gute Mutter!

Auch ſie war ſehr verändert; man ſah auf ih⸗ rem Geſicht die doppelte Spur unaufhörlicher Thrä⸗ nen und ſchlafloſer Nächte.

Sie ſetzte ſich oder ſank vielmehr auf einen Seſſel, zog Michel auf den Knieen zu ſich heran, faßte ſeinen Kopf und drückte ihn an ihre Lippen.

Endlich ſchienen ihr die Worte, die aus ihrer gepreßten Bruſt ſich nicht losmachen konnten, wie⸗ derzukehren.

Wie! fragte ſie ihn,hier treffe ich Dich alſo, hundert Schritte von dem Schloſſe voll Soldaten.

Je näher ich ihnen bin, Mutter, antwortete Michel,deſto weniger wird man mich ſuchen, wo ich bin.

Aber Du weißt nicht, was zu Nantes vorge⸗ fallen.

Was iſt zu Nantes vorgefallen?

Die Militär⸗Commiſſionen fällen Urtheil über Urtheil.

Das betrifft nur die, welche ergriffen ſind, erwiderte Michel lachend.

Das betrifft Jedermann, antwortete ſeine Mutter,denn die, welche noch nicht ergriffen ſind, können es jeden Augenblick werden.

Gut! aber nicht, wenn ſie bei einem würdigen Maire verborgen ſind, der durch ſeine philippiſti⸗ ſchen Geſinnungen bekannt iſt.