Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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So geſchah es mit Michel.

Als er ſich beinahe gegen ſeinen Willen auf dem Wege nach Nantes ſah, hatte er gehofft, dort einige Zerſtreuung für ſeinen Kummer zu ſinden; nun fühlte er ihn im Gegentheil noch lebhafter und quälender; Mary's Bild folgte ihm mitten unter die Menge und es war ihm, als ſollte er derſelben in jeder Frau begegnen, die auf ihn zukam; und ſein Herz zerfloß zugleich in bittere Reue und un⸗ mächtige Sehnſucht.

In dieſer Geiſtesſtimmung ſann er bald auf nichts mehr, als in das Zimmer des Wirthshauſes, wo er abgeſtiegen war, zurückzukehren; dort ſchloß er ſich ein und begann, wie er nach dem Austritt aus dem Thor des Meierhofs gethan hatte, zu weinen.

Er dachte daran, noch dieſen Augenblick ſich wieder nach Bouloeuvre zu begeben, vor Petit⸗Pierre auf die Kniee zu werfen, ihn zu bitten, die Vermittlung bei den beiden Mädchen zu uüͤbernehmen; er machte ſich Vor⸗ würfe, daß er es nicht dieſen Morgen gethan, ſon⸗ dern der Beſorgniß nachgegeben hatte, durch dieſe vertrauliche Mittheilung Bertha's Stolz zu verletzen.

Dieſer Ideengang brachte ihn natürlich auf das Ziel oder vielmehr auf den Vorwand ſeiner Reiſe, das heißt, darauf zurück, einige Gegenſtände des ländlichen Luxus zu kaufen, welche für die Gleich⸗ gültigen ſeine Abweſenheit rechtfertigen ſollten; dann nach Vollzug dieſer Einkäufe den ſchrecklichen Brief zu ſchreiben, welcher der alleinige, einzige, wahr⸗ hafte Grund ſeiner Reiſe nach Nantes geweſen war.