Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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das Knarren von Rädern, ſich umzudrehen; er er⸗ kannte den Poſtwagen, der von Sables d'Olonne nach Nantes aing; derſelbe kam auf ihn zu. Michel fühlte, daß ſeine von dem Blutverluſt erſchöpften Kräfte, ſo gering auch die Wunde war, die es zum Fließen gebracht hatte, ihm nicht geſtatten würden, einen großen Marſch zu machen.

Der Anblick dieſes Fuhrwerks ſetzte ſeiner Unent⸗ ſchloſſenheit ein Ziel; er ließ halten, ſtieg in eine ſeiner Abtheilungen und war einige Stunden ſpäter in Nantes.

Dort angekommen, fühlte er ſchmerzhaft das Traurige ſeiner Lage.

Von Kindheit an gewohnt, vom Leben Anderer zu leben, einem Willen zu folgen, der nicht der ſei⸗ nige war, erhalten in dieſer moraliſchen Sclaverei ſelbſt durch die Subſtitution, die eben in ſeiner Ju⸗ gend vor ſich gegangen war, da er, ſo zu ſagen, nur den Herrn und die Stütze gewechſelt hatte, als er ſeine Mutter verließ, um der Geliebten zu folgen, war die Freiheit für ihn ſo neu, daß er deren Reize nicht empfand, während dagegen ſeine Ver⸗ laſſenheit ihm verhaßt geworden war.

Für tief verletzte Herzen gibt es keine grau⸗ ſamere Einſamkeit, als die, welche ſie im Schooße von Städten finden; je umfangreicher und bevöl⸗ kerter die Stadt iſt, deſto größer iſt die Einſamkeit; die Vereinzelung mitten unter der Menge, die Be⸗ rührung der Freude oder der Gleichgültigkeit derer, die in den Weg kommen, mit der Traurigkeit und Beklemmung, die ſie empfinden, ſchlägt ſie nieder und verwundet ſie ſchmerzhaft. 152