72
Bruder in das Bagno geſchickt haben, und der ſich nicht ſcheute, den Blauen zu dienen.“ 1 „Ihr habt meinen Mann getödtet! Ihr habt Euren Bruder ermordet!“ rief Marianne, ſich vor Joſeph mit wilder Heftigkeit erhebend. „Nein, ich nicht,“ ſagte Joſeph. „Du lügſt!“— „Ich ſchwöre Euch, daß ich es nicht bin.“ „Dann, wenn Du ſchwörſt, daß Du es nicht biſt, ſo ſchwöre mir auch, daß Du mir ihn zu rächen helfen wirſt.“ „Euch helfen, ihn zu rächen! ich, ich Joſeph Picaut! nein, nein,“ antwortete der Chouan mit düſterer Stimme,„denn wiewohl ich die Hand nicht gegen ihn erhoben, billige ich es doch von denen, welche ihn ſchlugen, und wäre ich an ihrer Stelle geweſen, ich ſchwöre, obgleich er mein Bruder war, bei Gott dem Herrn, ich hätte ihn geſchlagen, wie ſie.“ „Wiederhole das noch einmal, was Du eben geſagt haſt!“ rief Marianne,„denn ich glaube falſch gehört zu haben.“ Der Chouan wiederholte Wort für Wort daſſelbe. „So ſei verflucht dann, wie ich jene verfluche!“ rief Marianne,-mit einer ſchrecklichen Geberde die Hand über dem Haupte ihres Schmagers erhebend, „und dieſe Rache, deren Du Dich weigerſt und in welche ich Dich einſchließe, Brudermörder der Ab⸗ ſicht, wenn nicht der That nach, zu erfüllen, ſind wir beide noch da, Gott und ich, und wenn Gott mich verläßt, nun, ſo werde ich allein dazu genügen.“ Dann fuhr ſie mit einer Energie, welche den Chouan völlig beherrſchte, fort:


