204 Der Vicomte von Montgommery.
Montgommerh ſein, ſo würde er Dir ſeine Erinnerungen ohne Gewiſſensbiſſe ſchenken können. Dies wäre indeſſen ein Verbrechen, an welchem ich keinen Theil haben will. So wiſſe denn, Diana, Du biſt nicht die Schweſter des Herrn Grafen, ſondern wirklich die Tochter Heinrichs II., den er in jenem unglücklichen Turniere umgebracht hat....“
„Entſetzlich!“ rief Fräulein von Caſtro, indem ſie ihr Geſicht mit beiden Händen verbarg.
„Ihr lügt, Madame!“ rief Gabriel mit Heftigkeit; „beweiſ't mir, daß Ihr die Wahrheit ſagt!“
„Hier iſt der Beweis,“ entgegnete Diana von Poi⸗ tiers, indem ſte ihm einen Brief von ſeinem Vater über⸗ reichte, welchn dieſer kurz vor ſeinem Tode an ſte ge⸗ ſchrieben hatte.
Während Gabriel zitternd das Schreiben durchlas, ſprach ſie weiter:
„Ihr ſeht alſo, Herr von Montgommery, daß es
ſtrafbar geweſen ſein würde, wenn Ihr noch an die fromme Schweſter gedacht hättet, denn kein Band des Blutes verknüpft Euch mit der, welche jetzt die Braut des Herrn iſt. Indem ich Euch eine ſolche Gottloſigkeit erſpare, hoffe ich, Euch mehr als hinreichend das Glück vergolten zu haben, deſſen ich durch Eure Vermittelung in meiner


