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Herz beängſtigte. Es war, als ſagte mir jede Stunde auf ihren ehernen Flügeln an mir vorüberziehend: — Beeile Dich! beeile Dich!
Ich beeilte mich, und bald fing ich an das kleine Haus⸗
in ſeinen Einzelheiten zu unterſcheiden. Indem ich mich ihm immer mehr näherte, erkannte ich die Beſchreibung, die er mir davon gemacht hatte, das Fenſter, durch das er den Sonnenaufgang betrachtete, den Jasmin, der die⸗ ſes Fenſter beſchattete und der von fern für mich nur eine grüne Hecke war.
Einen Augenblick glaubte ich ihn an dieſem Fenſter zu erſchauen, und, war es Viſion, war es Wirklichkeit, ich ſtreckte den Arm aus, ich gab einen Schrei von mir.
Ach! ich war noch mehr als eine Viertelmeile ent⸗ fernt: er ſah mich nicht, er hörte mich nicht.
Die Glocken des Kloſters ertönten fortwährend; ich erinnerte mich unwillkürlich jenes nächtlichen, unaufhoͤr⸗ lichen Läutens, das melner Einkleidung vorhergegangen war, und zuweilen durchzuckte es, wie ein entſetzlicher Argwohn, mein Herz und meinen Geiſt, für ihn erklingen dieſe Glocken ſo.
Doch ich ſagte, den Kopf ſchüttelnd, zu mir ſelbſt: „Nein, nein, nein!“
Ich kam immer näher; da ſah ich eine lange Pro⸗ zeſſion beſtehend aus Mönchen, die ſich nach dem kleinen Hauſe begaben und einen Augenblick nachher wieder den Weg zum Kloſter einſchlugen.
Wen holten ſie in dieſem Hauſe?
Einen Lebendigen oder einen Todten 2
Ich ſollte es bald erfahren, denn ich war nur noch ein paar hundert Schritte von dem Hauſe entfernt, als mir ein reißender Bach den Weg verſperrte.
Er ſtürzte ſo raſch, ſo mit Steinen beladen, ſo ko⸗ thig herab, er ſchien ſo tief, daß ich es nicht einmal ver⸗ ſuchte, ihn zu durchwaten.
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