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bung ſeines Aeußeren erkannt haben, hätte mir mein Herz nicht geſagt, daß er es war.
Ueberdies konnten die Worte, die er ſprach, als er dieſe Leute verließ, die Worte:„Ihr ſeid nun getröſtet, betet für den Troͤſter,“ nur von dieſer leidenden Seele kommen, welche bereit iſt, ſich Gott zu weihen.
Ich ſchöpfte alſo wieder Kräfte aus der Hoffnung,
ihn wiederzuſehen; nahm ich ein Pferd oder einen Wa⸗
gen, ſo mußte ich einen ungeheuren Umweg machen, um das kleine Haus zu erreichen, das für mich wie ein weißer Punkt neben dem düſteren maſſenhaften Camaldulenſer⸗ Kloſter erſchien, welches mir, obgleich beinahe drei Meilen in gerader Linie entfernt, das Geräuſch ſeiner Glocken auf dem Flügel des Windes zuſandte.
Als ich aus dem Dorfe trat, ließ ich meine Taube los; die arme Kleine machte einen ihrer längſten Flüge, ungefähr zwei hundert Schritte, in der Richtung des Hauſes, das mein Blick verſchlang. Es blieb mir kein Zweifel mehr; die Nähe des Zieles hatte ihr wie mir Kräfte gegeben.
Zum Unglück fand ſich kein gebahnter Weg; ich mußte dem Abhang des Berges folgen, der bald von Schluchten durchſchnitten, bald von Bächen durchfurcht, bald mit Gehöͤlzen beſetzt war, in die ich mich nicht hinein wagte, aus Furcht, mich zu verirren.
Ich ging drei Stunden ohne anzuhalten, hatte aber in Folge der Umwege keine zwei Meilen gemacht.
Oft verſchwand das Haus, und ohne meine geliebte Taube hätte ich mich verirrt. Ich warf ſie in die Luft und folgte der Richtung, die mir ihr Flug vorgezeichnet hatte.
Endlich, als ich mich meinem Ziele mehr näherte, ſchien mir der Weg weniger mit Schwierigkeiten überla⸗ den zu ſein. Ich hörte acht Uhr in einem Döoͤrſchen ſchla⸗ gen; ich weiß nicht, warum es mir vorkam, als hätte der Klang dieſer Glocke etwas Trauriges, was mir das


