108
ner Iſabelle in Deine Zelle, in der Nacht, zur Stunde ein, wo die Geiſter erſcheinen. Darum bedaure ich es, daß ich lebe. Hätteſt Du
mich als Schatten erſchaut, ſo würdeſt Du begriffen haben,
daß ich ich geſtorben, während Du, wenn Du weder mei⸗ nen Koͤrper, noch meinen Schatten ſiehſt, glauben kannſt, ich habe Dich vergeſſen oder verrathen. Sage nicht nein, ach! Du haſt es wohl einmal geglaubt.
Oh! ich habe Dich weder vergeſſen, noch verrathen, ich liebe Dich! ich liebe Dich! doch ich wäre beinahe ge⸗ ſtorben.
Du erinnerſt Dich jenes Verwundeten, der Durſt ge⸗
habt, der ſich, die letzten Tropfen ſeines Blutes, den letz⸗
ten Athem ſeiner Bruſt verlierend, bis zum Bache ge⸗ ſchleppt hatte, alles dies, um das Waſſer zu erreichen, und der, den erſten Schluck trinkend, geſtorben war? So iſt es beinahe bei mir geweſen. Nach einer langen Wanderung in den Wäldern, von denen man mir ſagte, es ſeien die von Mauleon, gelangte ich keuchend zu einer Quelle. Dieſe Quelle kam aus der Erde hervor und war eiskalt. Ich trank im Glauben, dadurch meine Kräfte wieder zu gewinnen und meinen Marſch fortſetzen zu koͤnnen. Ich brach wirklich wieder auf. Doch ich war kaum hundert Schritte gegangen, als ich bebend ſtehen
blieb. Ein Schauer ſchüttelte meinen ganzen Körper,
und ich fiel ohnmächtig am Rande des kleinen Fußpfades, dem ich folgte, nieder. Was nach dieſer Ohnmacht geſchehen iſt, weiß ich
nicht. Ich weiß nur, daß ich geſtern ſehr geſchwächt er⸗ 1
wachte, daß ich mich, umherſchauend, in einem ziemlich reinlichen Bette fand; am Fuße meines Bettes wachte eine alte Frau; auf meinem Kopfkiſſen ſaß unſere Taube und ſtreichelte meine Wange mit ihrem armen gebroche⸗ nen Flügel.
Dieſe Frau kam vom Markte von Mauleon mit zwei Männern zurück; als ſie ſahen, daß ich noch ath⸗


