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Neunundzwanzigſter Brief.
Am 1. Juli 1638.
Sechzehen Tage ſind verlaufen, und keine Kunde. Und meine Augen nützen ſich dadurch ab, daß ich ver⸗ gebens am Horizont unſere vielgeliebte Taube zu er⸗ ſchauen ſuche. Bei jedem ſchwarzen Punkt, der ein Flecken im Raum bildet, ſage ich mir: Sie iſt es; dann, nach einem Augenblick, bemerke ich meinen Irrthum, und meine vor bofftung keuchende Bruſt ſchwillt in einem Seuf⸗ zer ab.
Gleichviel, ich warte immer, ich hoffe immer; wa⸗ rum ſollte ich denn, da Du lebſt, da Du mich liebſt, am Glück verzweifeln?
Nur geht die Zeit vorüber. Vor zwei Monaten biſt Du abgereiſt. Oh! wenn ich richtig rechne, mußt Du vor acht bis zehn Tagen zurückgekommen ſein.
O mein Gott! mein Gottl ſollte dieſes eherne Herz verweigert haben?
Man ſagt doch, er habe geliebt, dieſer Mann!
Mein Gott und Herr, verlaß uns nicht!
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