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Die Taube : zwei Bändchen / von Alexandre Dumas. Aus d. Franz. von August Zoller
Entstehung
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Achtundzwanzigſter Brief.

Juni.

Ja, Du hatteſt Recht, mein Vielgeliebter, wenn ich die Löſung meiner Gelübde nicht erlangt hätte, ſo wäre immer ein Gewiſſensbiß im Grunde unſeres Glückes ge⸗ blieben, oder es hätte vielmehr kein Glück beſtanden, da dieſes Glück nicht durch Gott beſtätigt geweſen wäre! Als ich Dir ſagte:Ich bin glücklich, wir werden mit einan⸗ der fliehen, wir werden glücklich ſein, wollte ich vergeſ⸗ ſen, doch in der Tiefe meiner Seele wehklagte eine Stimme, welche, ſo ſtark die meiner Liebe war, dieſe zuweilen zum Schweigen brachte.

Heute bin ich ſehr unglücklich, da ich nicht weiß, wie ich Dich wiederſehen, wiederfinden ſoll; doch mein Ge⸗ wiſſen iſt ruhig; doch wenn ich Dir ſage, wenn ich Dir wiederhole:Ich liebe Dich, mein Bräutigam, ſo fühle ich nicht mehr im Herzen jenen ſcharfen Schmerz, den ich darin empfand, ſelbſt in dem Augenblick, wo ich zu Dir ſagte:Sei ruhig, mein Vielgeliebter, wir werden glücklich ſein.

Ich habe unſere arme Taube bewacht, wie ich über einer kranken Schweſter gewacht hätte. Sie leidet viel und ſchließt von Zeit zu Zeit vor Schmerz die Augen. Ich laſſe Tropfen um Tropfen eiskaltes Waſſer auf ihre

Flügel fallen, und das ſcheint ihr wohlzuthun. Sie lieb⸗

koſt mich mit ihrem roſigen Schnabel, als wollte ſie mir danken. Arme Taube! ſie vermuthet nicht, was Selbſt⸗ ſüuhutges an der Pflege iſt, die ich ihr zu Theil werden aſſe.

Aber Du, Du, mein Gott! was mußt Du denken!