91
Sechsundzwanzigſter Brief.
Zehn Minuten nachher.
Ohl wehe, wehe über uns!.. Dieſer Menſch iſt unſelig, verhängnißvoll für uns, mein Geliebter, vielleicht mehr noch das zweite Mal, als das erſte Mal.
Oh! horch auf, horch auf, obgleich Du mich nicht hoͤrſt; horch auf, obgleich Du vielleicht nie erfahren ſollſt, was ich Dir ſagen will. Horch auf! Ich hatte, wie gewoͤhnlich, meinen Brief an den Flügel unſerer Taube gebunden, dieſen Brief, in dem ich Dir Alles er⸗ zählte, dieſen Brief, der Dir eine ganze Zukunft von Glück brachte. Ich hatte die arme Iris losgelaſſen, ich folgte ihr mit den Augen in die Tiefen des Himmels, wohin ſie ſich aufzuſchwingen anfing, als ich ploͤtzlich von jenſeits der Kloſtermauern einen Schuß hoͤrte und unſere Taube, in ihrem Fluge aufgehalten, wirbeln und fallen ſah.
Oh! ich ſtieß einen ſolchen Schmerzensſchrei aus, daß ich glaubte, meine Seele ſei mit dieſem Schrei aus meinem Leibe entflohen.
Dann eilte ich aus dem Kloſter in einer Beſtür⸗ zung, daß man begriff, es ſei mir ein großes Un⸗ lli widerfahren, und daß man mich nicht zurückzuhalten uchte.
Ich hatte die Richtung geſehen, in welcher die Taube gefallen war, und lief dahin.
Fünfzig Schritte jenſeits der Kloſtermauern erblickte ich einen Kapitän, welcher jagte; er hatte nach der Taubegeſchoſſen; er hielt ſie in ſeinen Händen, ſchaute mit


