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Die Taube : zwei Bändchen / von Alexandre Dumas. Aus d. Franz. von August Zoller
Entstehung
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wie Ihr es wünſchtet, ein Probejahr beſtimmt. Ihr habt alſo, trotz dieſes Jahres, das Gelübde ausgeſprochen?

„Leider! leider! Monſeigneur.“

„Ihr bereut es nun?“

Ich wollte meine Reue lieber auf Rechuung meiner Unbeſtändigkeit, als auf Rechnung meiner Treue ſetzen und antwortete:

„Monſeigneur, ich war erſt achtzehn Jahre alt, und der Tod eines Mannes, den ich liebte, hatte mich wahn⸗ ſinnig gemacht.“

Er lächelte.

„Ja, und nun zählt Ihr vier und zwanzig Jahre und ſeid vernünftig geworden.“

Ich bewunderte das vortreffliche Gedächtniß dieſes Mannes, der ſich der Epoche eines ſo unbedeutenden Er⸗ eigniſſes erinnerte, wie es für ihn die Einkleidung eines Mädchens, das er nie geſehen, ſein mußte.

Ich wartete mit gefalteten Händen.

„Und nun,“ ſagte er,„möchtet Ihr gern dieſes Ge⸗ lübde brechen, denn das Weib hat die Nonne beſiegt, denn die Erinnerungen der Welt haben Euch in Eure Einſamkeit verfolgt, denn Ihr habt den Leib Gott ge⸗ weiht, doch die Seele, die Seele, nicht wahr, die Seele iſt auf der Erde geblieben? O menſchliche Schwäche!“

„Monſeigneur! Monſeigneur!“ rief ich,„ich bin verloren, wenn Ihr nicht Mitleid mit mir habt 1“

„Ihr habt aber doch ganz freiwillig den Schleier genommen?“

„Oh! ja, ganz freiwillig. Ich wiederhole Euch, Monſeigneur, ich war wahnfinnig.“

„Und welche Entſchuldigung könnt Ihr Goit über

Eure geringe Beharrlichkeit in Eurem Willen geben?“

Meine Entſchuldigung, dieſe Gott wohlbekannte Ent⸗ ſchuldigung, konnte ich ihm nicht nennen, denn das hieß Euer Verderben herbeiführen. Ich ſchwieg und ließ nur einen zweiten Seufzer entſchlüpfen.

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