80 Gelübde abzulegen, näher, das mache Euch Euren Be⸗
ruf leichter, das mache Euch ruhiger, um Euch Gott zu
weihen!. O mein Gott! ſolltet Ihr immer noch den ſeltſa⸗ men Plan haben, auf die Welt zu verzichten?
Hoͤret mich doch: Gott iſt nicht ungerecht. Als ich mich ihm weihte, geſchah es im Glauben, Ihr ſeiet todt; Ihr lebtet; Gott konnte das der Verzweiflung entriſſene Gelübde nicht annehmen, da die Urſache der Verzweiflung nicht beſtand; ich bin alſo frei, frei trotz meiner Ge⸗ lübde. 5
Oh! ja, ja, Ihr ſagt es: wir haben uns einen Augenblick beinahe berührt in jener Abtei, und nichts hat uns geſagt, daß wir einander ſo nahe waren. Oh! ich täuſche mich, ich bin ungerecht gegen mein eigenes Herz. Eine Stimme rief mir zu: Beharre, bleibe, ver⸗ weile, er iſt hier.
Ja, ich begreife, ſie hat für ſich gezittert, die arme Frau, ſie hat bange gehabt, die Gaſtfreundſchaft, die ſie Euch geboten, ſei ihr Verderben. Ohl warum habe ich Euch nicht wiedergefunden: ich wäre ſtolz auf die Sendung geweſen, die mir Gott gegeben hätte, auf die Sendung, den Sohn von Heinrich IV. zu retten. Ich hätte Allem
Trotz geboten, nur aus Stolz, um mich rühmen zu
können: Als die ganze Welt ihn verließ, habe ich allein ihn aufgenommen, ich allein ihn beſchützt.
Wie toll bin ich, daß ich das ſage: ich hätte Euch verrathen und Ihr wäret verloren geweſen, wie der Mar⸗ ſchall⸗Herzog.
Beſſer alſo, daß ſie Euer Daſein ſelbſt mir verbor⸗ gen hat, und daß Ihr lebtet; beſſer alſo, daß ich leide, daß ich unglücklich bin, daß ich ſterbe.
Doch warum ſollte ich unglücklich ſein? warum ſollte ich ſterben? Ihr habt Euer Gelübde noch nicht abgelegt, ich betrachte das meinige als gebrochen. Laßt uns nach Italien, nach Spanien, an das Ende der Welt gehen.


