71
geſchlagenen Aermeln und blutigen Händen. Das war der Arzt, der mich verbunden hatte.
Ich ſchloß die Augen wieder.
Während dieſer Nacht fandet Ihr Euch in der Ab⸗ tei ein, und in der Angſt, die der Cardinal einfloͤßte, ant⸗ wortete man Euch, man habe mich nicht geſehen.
So wußtet Ihr nicht, daß ich exiſtirte; ſo wußte ich nicht, daß Ihr gekommen waret.
Ich habe kein Bewußtſein von dem, was während der vierzehn Tage, welche auf meine Verwundung folg⸗ ten, vorging. Es war keine Wiedergeneſung, es war ein Halt an der Pforte des Todes.
Endlich trugen die Jugend und die Stärke meines Temperaments den Sieg davon; ich fühlte eine gewiſſe Friſche in meinen ermatteten, fiebernden Gliedern ſich verbreiten, und von dieſem Augenblick an erklärte der Arzt, ich ſei gerettet.
Doch unter welcher Bedingung! daß ich nicht ſpre⸗ chen, daß ich mein Bett nicht verlaſſen, daß ich keinen Theil an dem äußeren Leben nehmen würde; ich ſollte nur unter der Bedingung leben, einen Monat bis ſechs Wochen ohne Leben zu ſein.
Während dieſer Zeitperiode wurde der Marſchall⸗ Herzog verurtheilt und hingerichtet. Dieſe Hinrichtung verdoppelte die Angſt der armen Jungfrauen, die mir Gaſtfreundſchaft gegeben hatten. Es unterlag übrigens keinem Zweifel: erfuhr man mein Daſein, ſo würde ich, obgleich Prinz von Geblüt, behandelt werden, wie Herr von Montmorency. War Herr von Montmorency nicht verwandt mit Maria von Medicis!
Es wurde alſo beſchloſſen, daß ich todt ſei, und durch alle dabei, daß man es glaubte, intereſſirte Stim⸗ men verbreitete ſich das Gerücht von meinem Tode.
Nach zwei Monaten konnte ich aufſtehen. Bis da⸗ hin war ich in den unterirdiſchen Gewoͤlben des Kloſters verborgen geblieben; die Luft wurde für meine Wieder⸗


