Druckschrift 
Die Taube : zwei Bändchen / von Alexandre Dumas. Aus d. Franz. von August Zoller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

56

unmöglich, ſich einen Wagen oder auch nur einen Karren zu verſchaffen. Ueberdies hätten alle Nachſuchungen Zeit weggenommen. Ich fühlte mich nicht müde, und wir gin⸗ gen zu Fuße weiter. Kaum hatten wir eine Viertelmeile zurückgelegt, als der Regen zu ſtrömen anfing und ein bis dahin verhaltener Sturm brach los. Doch ich war ganz und gar nur mit Euch beſchäftigt, fühlte nicht den Regen, hörte nicht den Sturm und ſetzte meine Wanderung unter den Waſſer⸗ güſſen, die um mich her niederſtürzten, beim Scheine der Blitze, welche die Landſchaft zuweilen beleuchteten, daß man ſie wie am hellen Tage ſah, fort. Wir kamen an einer großen Eiche vorüber. Der Gärtner flehte mich an, ich möchte mich einen Augenblick darunter ſtellen und unter dieſem Obdach warten, bis ſich der Sturm beſänf⸗ tigt hätte; ich ſchüttelte den Kopf und ging weiter, ohne zu antworten; eine Minute nachher ſchlug der Blitz in die Eiche, zerſchmetterte ſie in Stücke und verzehrte die Trümmer. Ich begnügte mich, ihm mit der Hand zu bezeichnen, was geſchehen war. „Es iſt wahr, edle Frau,“ ſagte er,„Ihr werdet vom Himmel beſchützt, und da Gott Euch die Kraft gibt, ſo laßt uns gehen.“ Wir gingen noch ungefähr eine Stunde. Nach einer Stunde zeigte uns ein Blitz die Abtei, das Ziel unſerer Wanderung. Ich verdoppelte die Schritte, und wir kamen an Ort und Stelle. Alles ſchlief in der Abtei oder ſtellte ſich ſchlafend. Ich habe ſeitdem immer dem ſo tiefen Schlafe der Pfoͤrt⸗ nerin, der Schweſtern und der Aebtiſſin ſelbſt mißtraut. 4 Man öffnete mir endlich, jedoch mit tauſend Vor⸗ 3 ſichtsmaßregeln. Als man uns klopfen hörte, hatte man offenbar den Beſuch eines verirrten Corps oder einer räu⸗ beriſchen Horde hefürchtet. Ich gab mich ſchleunigſt zu erkennen und erkundigte mich ſogleich nach Euch.

—