48
Ich fuhr mit der Hand über meine Stirne; ich wankte und fühlte mich einer Ohnmacht nahe.
Wir fingen damit an, daß wir auf der Höhe ſuch⸗ ten; es lag hier ein Dutzend Leichname; ich nahm die Fackel aus den Händen desjenigen, welcher ſie trug, und ſenkte ſie gegen den Boden.
Einen nach dem andern, unterſuchte ich alle Leich⸗ name; zwei hatten das Geſicht gegen die Erde gekehrt. Einer von dieſen zwei Männern war ein Officier; er hatte ſchwarze Haare wie Ihr; ich ließ ihn auf den Rücken umwenden und ſtreifte ſeine Haare auf die Seite: Ihr waret es nicht.
Plötzlich ſtieß ich einen Schrei aus. Ich bückte mich, ich hatte Euren Hut erkannt und hob ihn auf. Die Federn waren die, welche ich ſelbſt daran befeſtigt hatte; ich konnte mich nicht täuſchen.
Hier waret Ihr gefallen; nur fragte es ſich, waret Ihr todt oder verwundet gefallen?
Die Soldaten, die mich begleiteten, ſprachen leiſe mit einander. Ich ſah einen von ihnen die Hand in der Richtung des Baches ausſtrecken.
„Was ſagt Ihr?“ fragte ich ſie.
„Madame,“ erwiederte derjenige, welcher den Arm ausgeſtreckt hatte,„wir ſagen, wenn man verwundet ſei, beſonders durch einen Schuß, ſo habe man Durſt. Iſt der Graf von Moret nur verwundet worden, ſo wird er ſich vielleicht, um zu trinken, zu dem Bache geſchleppt haben, der unten durch dieſe Schlucht läuft.“
„Oh!“ rief ich,„das iſt eine Hoffnung. Kommt!“
Und ich ſtürzte durch die Olivenbäume. Der Ab⸗ hang war jäh. Ich bemerkte es nicht. Ceres, als ſie mit der Fackel in der Hand die verlorene Proſerpina ſuchte, ging, obgleich ſie eine Goͤttin war, nicht mit raſcherem und ſichererem Schritt als ich.
In einem Augenblick war ich am Rande des Baches. Zwei bis drei Soldaten hatten es in der That verſucht,


