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Die Taube : zwei Bändchen / von Alexandre Dumas. Aus d. Franz. von August Zoller
Entstehung
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Ihr ſeid durch die verſchiedenen Grade der menſch⸗ lichen Größe gefallen, ſagt Ihr auch. Ihr ſtandet alſo auf dem oberſten Rang der Geſellſchaft, daß Euer Sturz durch ſo viele dazwiſchen liegende Räume führte?

Ihr habt beinahe ein Königreich verloren, und nicht geſchaudert bei dem Winde der Axt, welche die Köpfe um Euch her abſchlug, ſagt Ihr auch. Ihr habt alſo das Leben der Großen gelebt und an den Kämpfen der Für⸗ ſten Theil genommen. Wie ſoll ich dies Alles mit Eurem Alter, denn Ihr ſeid jung, mit Eurer Demuth, denn Ihr ſprecht auf den Knieen, zuſammenreimen?

Und dennoch, welches Intereſſe hättet Ihr, mich zu täuſchen? Ihr kennt mich nicht; Ihr wißt nicht, ob ich von Adel oder Vaſallin, jung oder alt, häßlich oder hübſch bin.

Uebrigens iſt Euch eben ſo wenig daran gelegen, zu wiſſen, wer ich bin, als mir, zu wiſſen, wer Ihr ſeid. Wir ſind zwei einander fremde, von einander getrennte, einander unbekannte Geſchöpfe, welche keine Macht der Welt materiell zu vereinigen vermöchte.

Doch außerhalb der materiellen Vereinigung gibt es die Gemeinſchaft des Geiſtes; außerhalb des Berührens und des Sehens der Koͤrper gibt es die Brüderſchaft der Seelen, das geheimnißvolle Liebesmahl, wo man aus demſelben Becher das Wort des Herrn und die Flam⸗ menſtrahlen des heiligen Geiſtes trinkt.

Das iſt Alles, was ich von Euch wünſche, Alles, was Ihr von mir wollen könnt.

Iſt dies feſtgeſtellt, waltet einige Sympathie zwiſchen unſern Geiſtern, einige Verwandtſchaft zwiſchen unſern Seelen ob, was kann in den Augen des Herrn Schlim⸗ mes dabei ſein, daß unſere Geiſter und unſere Seelen durch den Raum mit einander Umgang pflegen, wie es die Strahlen zweier befreundeter Sterne machen würden, die ſich in den ätheriſchen Einſamkeiten des Firmaments kreuzten?