Teil eines Werkes 
1. Th. (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

188

Schlüſſel unſre Teller enthielten aber zuweilen kaum ſoviel, um eine hungrige Ratte ſatt zu machen.

Nun erſchien am andern Morgen um 7 Uhr ein Schließer mit dem Frühſtück, ſetzte es raſch ab und ver⸗ ſchwand. Um 11 Uhr kam das Mittagseſſen, der Kerker⸗ meiſter zerſchnitt alles in Biſſen und eilte hinaus. Um 6 Uhr Abends brachte er das Abendbrod und zog ſich ebenſo ſchnell zurück. Dies war dreißig Jahre lang die Ordnung meiner Mahlzeiten und zugleich waren die an⸗ gegebenen Stunden die einzige Zeit, wo meine traurige Einſamkeit unterbrochen wurde.

Wenn ich den Schließer fragte:Werde ich verhört werden? ſo antwortete er mir:Ich weiß das nicht. Und auf alle Fragen folgte dieſelbe Antwort.

Fragte ich den Ober⸗Kerkermeiſter ſelbſt, welcher ſich

zuweilen blicken ließ, ſo antwortete er mir je nach den Umſtänden:Das iſt in der Regel, oder:Das iſt nicht in der Regel. Weiter war auch aus ihm nichts zu bringen.

O niemand vermag ſich in die Lage zu verſetzen, worin ſich ein Menſch in der erſten Zeit ſeiner einſamen Ge⸗ fangenſchaft befindet! Wem das Maß ſeines Unglücks völlig bekannt iſt, der ſucht ſich darein zu ergeben oder ſpäht nach Mitteln zu deſſen Abwendung; aber ein un⸗