292
„Sire,“ murmelte Don Inigo.
„Stille, Connetable!“ unterbrach Don Carlos, „ich habe noch nicht geendigt.
„Don Ruiz,“ fuhr der König fort,„längſt kannte ich Euch als einen der wackerſten Edelleute meiner ſpaniſchen Staaten; ſeit geſtern weiß ich, daß Ihr eines der edelſten Herzen der Welt ſeid. 4
Don Ruiz verbeugte ſich.
„Ihr ſeid Großjuſticiar von Andaluſien an der Stelle von Don Inigo; Ihr habt mich geſtern um Gerechtigkeit für die Beleidigung gebeten, die Euch angethan worden: laßt Euch ſelbſt Gerechtigkeit werden.“
Don Ruiz bebte.
Dona Mercedes wurde bleich wie der Tod.
„Don Fernando,“ fuhr der König fort,„Ihr ſeid zweimal ſtrafbar: einmal habt Ihr Euch gegen die Geſetze der Geſellſchaft empört, und dieſes Mal habe ich Euch verziehen; ein ander Mal habt Ihr Euch ge⸗ gen die Geſetze der Natur empört, und hiebei, da ich mich als unmächtig, ein ſo großes Verbrechen zu be⸗ ſtrafen, betrachte, überlaſſe ich demjenigen, welcher be⸗
leidigt worden iſt, die Sorge der Begnadigung oder
der Beſtrafung. In allen Fällen aber ſtreiche ich Euch von dieſem Augenblicke an aus der Zahl der Edelleute, ich entziehe Euch Euren Titel als Rico hombre und mache Euch, leider nicht ſo rein, doch ſo arm, ſo vereinzelt, ſo nackt, als an dem Tage, wo Ihr in die Welt eingetreten ſeid!— Gineſta,“ fuhr der König fort,„Ihr ſeid weder die Zigeunerin der Venta zum Maurenkönig, noch die Nonne des Kloſters der Anun⸗ ciacion; Ihr ſeid Herzogin von Carmona, Marqueſa von Montefrio, Gräfin von Pulgar; Ihr habt die Grandeza erſter Claſſe, und dieſe Grandeza könnt Ihr mit Eurem Namen Eurem Gatten geben, und


