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Und ſie beugte ſich und weinte.
Don Carlos ſchaute ſie einige Sekunden an, und vielleicht war es ein Unglück, daß ſie ihrerſeits es nicht wagte, die Augen zu ihm außzuſchlagen, denn ſie hätte ſicherlich in ſeinem Blicke einen Blitz des Mitleids, ſo kurz er war, erhaſcht.
„Morgen wirſt Du mit Granada mein Urtheil in dieſer Sache erfahren,“ ſprach er.„Mittlerweile bleibe im Palaſte; es iſt unnöthig, daß Du, mag der Schul⸗ dige leben oder ſterben, in Dein Kloſter zurückkehrſt.“
Gineſta fühlte, jede Bitte von ihr wäre fruchtlos; ſie ſtand auf und ſagte:
„O König, vergiß nicht, daß ich, Dir fremd in den Augen der Menſchen, Deine Schweſter in den Augen des Herrn bin!“
Don Carlos winkte mit der Hand.
Gineſta ging hinaus.
Dona Flor wartete immer vor der Thüre.
Gineſta erzählte ihr die Scene, welche zwiſchen ihr und dem König ſtattgefunden.
In dieſem Augenblick kam ein Diener vorüber, der im Auftrage des Königs den Großjuſticiar ſuchte.
Die zwei Mädchen folgten dem Diener, in der Hoffnung, ſie werden etwas durch Don Inigo erfahren.
Knieend und betend in ihrem Zimmer, wartete Dona Mercedes während dieſer Zeit mit nicht weniger Angſt, als Gineſta und Dona Flor.
Sie hatte ihre frühere Wohnung wieder genommen; hatte ſie nicht in dieſem Zimmer Don Fernando zur Zeit, wo er geächtet, aber frei war, beſucht?
Glückliche Zeit!
Arme Mutter! welche dahin gekommen, daß ſie dieſe Zeit der Angſt, der Bangigkeiten und der Schauer eine glückliche Zeit nannte!
Ach! damals blieb ihr wenigſtens der Zweifel.


