Druckschrift 
El Salteador : Mantel- und Degenroman / von Alexander Dumas. Aus d. Franz. von August Zoller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

267

niß der Könige iſt, war ſie alſo für ihren Bruder wie für die ganze Welt nur noch die arme kleine Zigeune⸗ rin Gineſta.

Was ihr aber blieb, das war ihr Herz, ihr Herz, aus dem ſie Bitten und Thränen genug zu ſchöpfen hoffte, um das Herz von Don Carlos zu bewegen, ſo kalt und unzugänglich es war.

Sie befürchtete nur Eines: nicht bis zum König gelangen zu können.

Ihre Freude war alſo groß, als ſich, nachdem ihr Name ausgeſprochen worden, die Thüre vor ihr öffnete.

Dona Flor, welche ihre einzige Hoffnung auf ſie ſetzte, wartete zitternd vor der Thüre.

Gineſta folgte ihrem Einführer. Dieſer öffnete ſachte die Thüre des in ein Arbeits⸗Cabinet verwan⸗ delten Zimmers, trat auf die Seite, um Gineſta vor⸗ übergehen zu laſſen, und ſchloß, ohne ſie zu melden, die Thüre wieder hinter ihr.

Don Carlos ging, den Kopf auf ſeine Bruſt ge⸗ ſtützt, die Augen auf die Erde geheftet, mit großen Schritten auf und ab. Man hätte glauben ſollen, das Gewicht der halben Welt laſte ſchon auf dieſem neun⸗ zehnjährigen Atlas.

Gineſta ſetzte ein Knie auf die Erde und blieb einige Augenblicke in dieſer Stellung, ohne daß der König ihre Anweſenheit nur zu bemerken ſchien. End⸗ lich ſchtug er die Augen auf, heftete auf ſie einen Blick, der von zerſtreut nach und nach forſchend wurde, und ſagte:

„Wer ſeid Ihr?“

„Erkennt Ihr mich nicht?“ erwiederte die Zigeu⸗ nerin.„Dann bin ich ſehr unglücklich.“

Da ſchien Don Carlos mit einer Anſtrengung ſeine Erinnerungen zu ſammeln; in gewiſſen Momenten ſchien es ſeinem Blicke weniger Mühe zu machen, in die Zu⸗