254
„O nein, nein!“ rief Mercedes;„allein, oder ich trete nicht ein.“
„Alſo allein, Senora,“ ſprach Dona Flor, die ſich unter den Willen dieſer unglücklichen Mutter beugte und vor der Geberde von Don Ruiz zurückwich.
Hienach ſchloß ſich die Thüre hinter Mercedes.
Dona Flor blieb ſtehen an dem Platze, wo ſie war, erſtaunt, da ſie dieſes innere Drama ſich ent⸗ ſchleiern ſah, deſſen Handlung ſich vor ihr ereignete, ohne daß ſie dieſelbe begriff.
Sie hatte das Anſehen, als horchte ſie, doch ſie horchte nicht.
Das Klopfen ihres eigenen Herzens bedeckte die Stille ihres Mundes.
Und dennoch ſchien es ihr, als folgte auf die klägliche, wiederholt ſtockende Stimme von Mercedes die finſtere, drohende Stimme von Don Ruiz.
Dann hörte ſie Etwas wie das Geräuſch eines Falles, der den Boden ſtöhnen machte.
Es kam ihr der Gedanke, das Geränuſch dieſes Falles werde verurſacht durch den Körper von Mer⸗ cedes, welche in ihrer ganzen Höhe niederſtürze.
Sie eilte nach der Thüre und öffnete ſie; Mer⸗ cedes lag in der That in ihrer ganzen Länge auf dem Boden ausgeſtreckt.
Sie lief hinzu und verſuchte es, Mercedes aufzu⸗ heben, doch Don Ruiz winkte ihr.
War Mercedes gefallen, ſo war dies offenbar unter dem Gewichte einer Gemüthsbewegung geſchehen, die ſie nicht hatte ertragen können.
Don Rutz befand ſich zehn Schritte von ihr, und wäre der Fall durch eine Mißhandlung ihres Gatten verurſacht worden, ſo hätte dieſer nicht Zeit gehabt, ſich ſo weit zu entfernen.
Mit einem Gefühle, dem es nicht ganz an Liebe gebrach, nahm er ſie überdies in ſeine Arme, trug ſie


