Wie viel Gefahren aller Art hatte aber im Ver⸗ laufe ſeines abenteuerlichen Lebens Don Inigo getrotzt! Gefahren des Krieges gegen die Mauren, Gefahren des Schiffbruchs auf ſeinen Seereiſen, Gefahren der Empörung an Bord, Gefahren der Ermordung unter den wilden Einwohnern einer unbekannten Welt! Was waren alſo im Vergleiche mit allen dieſen Gefahren diejenigen, welche man mitten in Spanien, in dieſem Raume von kaum zwanzig Meilen, der Malaga von Granada trennt, ausgeſetzt war?
Don Inigo zuckte auch die Achſeln über dieſe Ge⸗ fahren.
Es war indeſſen ſehr unvorſichtig, ſich in ſolche Engpäſſe mit einem Schatze von Jugend und Schön⸗ heit dem ähnlich, welchen der Großjuſticiar zu ſeiner Rechten hatte, zu wagen.
Der Ruf wunderbarer Herrlichkeit, der Dona Flor von der neuen Welt in die alte vorangegangen war, hatte nichts Uebertriebenes. Dona Flor hatte mit ſechzehn Jahren,— dies war das Alter, das ſie er⸗ reicht,— die ausſchweifendſten Vergleichungen übertrof⸗ fen, welche über ſie die ſpaniſchen Dichter und ſogar die arabiſchen Dichter zu machen im Stande geweſen wären: es war zugleich der Glanz der Blüthe und der Sammet der Frucht, die Anmuth der Sterblichen und die Würde der Göttin; wie man bei der jungen Zi⸗ geunerin, die ſie mit einer naiven Bewunderung her⸗ beikommen ſah, die Miſchung der arabiſchen Race und der ſpaniſchen fühlte, ſo konnte man in Dona Flor den Typus nicht nur von zwei herrlichen Racen, ſondern auch von dem, was es Reinſtes und Ausge⸗ zeichnetſtes in dieſen zwei Racen gab, wiederfinden. Das Kind von Mexico und von Spanien hatte den ſchönen matten Teint, die bezaubernden Arme, die rei⸗ zenden Hände, die wunderbaren Füße der Andaluſierin⸗ nen mit den dunklen Brauen, den ſammetnen Augen,
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