Teil eines Werkes 
5.-11. Bdchn (1854)
Entstehung
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Brauche ich Sie daran zu erinnern, mein lieber Petrus, daß ich kaum zwanzig Jahre alt war, und daß Jeannie erſt neunzehn zählte?

Wir waren im Leben weniger vorgerückt, als die Natur im Jahr: die Natur war im Monat Juni, und wir waren noch, Jeannie im April, und ich im Mai.

Weder die Natur, noch ich, befanden ſich ganz in derſelben Lage, wie der würdige Paſtor Bemrode. Die Natur war im September, und ich, ich zählte ſechs und vierzig Jahre; die Natur und ich, wir waren ſchon auf dem weſtlichen Abhange des Lebens, der die Natur zum Winter, den Menſchen zum Grabe führt.

Nun denn, vermöge der glücklichen Organiſation, die ich vom Himmel erhalten habe, und der ich es ver⸗ danke, daß das Unglück aus mir nie einen unglücklichen Menſchen hat machen können, marſchirte ich mit der Jugend der Herzens, wenn nicht mit der der Jahre, auf dem Wege, dem faſt ein Jahrhundert vorher der gute Herr Bemrode gefolgt war.

Ich hatte keine Jeannie, die mich in dieſem weißen Häuschen, mit dem damals geöffneten, heute aber ge⸗ ſchloſſenen Fenſter erwartete; doch ich hatte die Poeſie, dieſe ewige Geliebte, welche eben ſo wollüſtig mit der Hand über die weißen Haare von Homer, als über die ſchwarzen von Byron ſtreicht.

Woran dachte ich? an das, was mich auf meinen Neiſen oft beſchäftigt hat.

Meine Freunde, diejenigen, welche ich acht Tage zuvor verlaſſen, dachten ſie an mich? Und wenn ſie an mich dachten, was that ich in ihrer Phantaſie zur gegen⸗ wärtigen Stunde?

Was ich that, vermutheten ſie entfernt nicht: ich lief auf der Landſtraße einem vor fünfzig Jahren ver⸗ ſchwundenen doppelten Geſpenſte nach: dem anmuthigen Schatten von William Bemrode und von Jeannie.

Bei meiner Treue! läuft nicht, wer da will, dem Schatten der Jugend und der Liebe nach?

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