Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6Qᷣ

3

ler bezüchtige. Um ſich eine poſitive Meinung zwiſchen unſern verſchiedenen Meinungen zu verſchaffen, verlangen Sie, daß ich mich vor Fefdlugen ausſtelle, wie ich aus den Händen des Schöpfers hervorgegangen bin, solus, pauper et nudus; gut, ich will von meinen Schul⸗ tern den Mantel des Demüthigen gleiten laſſen, durch deſſen Löcher man oft das Herz des Hoffärtigen ſieht. Machen Sie ſo langſam und ſo neugierig, als Sie wollen, die Runde um meine arme Perſon, ich werde es nicht verſuchen, einen einzigen von meinen Fehlern, eine einzige von meinen Lächerlichkeiten vor Ihnen zu verbergen; denn ich hoffe, Gott wird mich um ſo höher erheben, je tiefer ich mich erniedrigt habe.

Ich bin geboren 1728 im Dörſchen Beeſton, wo mein Vater Pfarrer war. Meine Mutter war die Toch⸗ ter eines Hochbootsmanns von der Handelsmarine, wel⸗ cher drei Jahre vor meiner Geburt in einem Sturme umkam, wobei das Schiff, auf dem er diente, und in dem er ſein Gepäck hatte, verſank. Alles war alſo mit ihm verloren, mit Ausnahme eines vortrefflichen See⸗ fernrohres, welches er einem ſeiner Freunde geliehen hatte, und dieſer Freund, da er nicht wußte, wann mein Vater unter Segel gehen ſollte, brachte es erſt zwei Tage nach ſeiner Abreiſe zurück.

Ich bezeichne dieſen Umſtand, weil genanntes Fern⸗ rohr eine bedeutende Rolle in meinem Leben ſpielt.

Was aber mein Vater in der Frau ſuchte, die er mit ſeinem Geſchicke verbinden wollte, das waren die Eigenſchaften, welche das wahre Leibgedinge der Gattin und die fromme Mitgift der Mutter bilden. Der Man⸗ gel an Vermögen konnte ihn nicht zurückhalten; er nahm meine Mutter arm, verwaiſt, kurz ſo, wie das Unglück ſie gemacht hatte, und das einzige Geräthe, das ſie in die Gemeinſchaft brachte, als ſie mit dem Gattin⸗ titel über die Schwelle des Pfarrhauſes ſchritt, war dieſes vortreffliche Fernrohr, das man Ahrſrchts vaſ