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Muth der Männer anwenden läßt, iſt eben ſo wahr von der Tugend der Frauen.
Die Natur hat nichts Abſolutes gemacht; ſo auf⸗ richtig dieſe Tugend ſein mag, ſo kann ſie doch den menſchlichen Gebrechen, die ihr als Windeln dienen, einen Augenblick nachgeben, ohne daß ſie aufhört es zu ſein. Ein Augenblick der Schwäche darf nicht gegen ſie geltend gemacht werden; die gediegenſte Vernunft, die innigſte Liebe zum Guten haben jene Stunde gekannt in welcher ſie gegen die Erde ge⸗ beugt waren wie ein im Sturme ächzender Baum.
Wenn dieſe Gefühle glücklich genug waren, daß die Verſuchung ſich nicht juſt zu dieſer Stunde ein⸗ ſtellte, ſo haben ſie Widerſtand geleiſtet; ſie können Gott danken, aber ſie dürfen nicht voll Citelkeit froh⸗ locken, denn während der Wipfel des Baumes im Sturm ſich krümmte und wand, hat eine feindliche Hand ihn in ſeinen Wurzeln untergraben; er ver⸗ mochte ſich nicht mehr aufzurichten, ſondern lag auf dem Boden.
Huberte war nicht ſo glücklich geweſen: ein armer, vom Sturme gekrümmter Baum, hatte ſie ſich bis zum Brechen gebogen, und Richard hatte ſie beherr⸗ ſchen können als ſie nicht mehr ſich ſelbſt angehörte, als ſie ſich ganz ihrer Verzweiflung hingab.
Ihre erſte Regung, als ſie das Vorgefallene mit kälterem Blut ins Auge faßte, war daß ſie ihr Un⸗ glück verwünſchte, und ihr erſter Gedanke war im Tode die Sühnung ihres Fehltrittes zu ſuchen. Zwei Beweggründe ſehr verſchiedener Art verliehen ihr die Kraft ihre Stellung zu ertragen. Sie wollte daß um jeden Preis ihr Unglück Valentin nicht das Leben


