Teil eines Werkes 
5.-10. Bdchn (1852)
Entstehung
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Das iſt eine ſeltene Dreiſtigkeit.

Sie finden?

Nehmen Sie ſich in Acht: ſeit geſtern frei, haben ſich heute zu ſehr emancipirt.

Seit geſtern frei, bin ich heute ſo, wie ich morgen ſein will, wie ich immer ſein werde. Dieſe Lage, Sie ſind es, der ſie geſchaffen hat: ertragen Sie die Folgen davon.

Die Folgen, wenn dieſe Folgen die Schande find?

Ohl mein Herr, wir ſind nicht hiebei.

Madame, gehen wir nicht weiter; ich will mich an Ihre Redlichkeit wenden: wird ſie antworten?

Immer. Nur haben Sie wohl Acht: die Redlich⸗ keit einer Frau iſt die Offenherzigkeit.

Ich nehme das an. Der König gefällt Ihnen?

Sehr, mein Herr.

Das iſt Offenherzigkeit! rief der Graf mit einem gezwungenen Lächeln.

Sie haben ſie von mir verlangt.

Und Sie werden ſie bis zum Ende haben?

Bis zum Ende.

Wenn Ihnen der König ſeine Huldigungen an⸗ bietet, was ſind Sie zu thun entſchloſſen?

Mein Herr, haben Sie Mitleid, laſſen Sie mich nicht auf ſolche Impertinenzen antworten.

Sie vergeſſen, daß ich mich zum Geſandten ge⸗ macht und die Offenherzigkeit angenommen habe.

Sie beharren alſo?

Ich beharre.

Wohl, mein Herr, ich bin frei; ich habe einen mittelbaren Abſchied von meinem Gatten erhalten, der eine Geliebte genommen, als ich kaum die Zeit gehabt hatte, ihn meinen Gatten zu nennen. Ich bin jung, man ſagt, ich ſei ſchön, ich habe ein Herz, ich bin frei, ich werde aus meiner Freiheit Nutzen ziehen.

Sie werden lieben? Wenn ich liebe, ja. Dieſer ſeltſamen Frau gegenüber, die ſich ihm ſo

Si

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