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Sünde wider den heiligen Geiſt, die Niemand vergibt. Sprach ich mich ſelbſt davon los, ſo erkannte ich eben nur den Gott in mir ſelber an, leugnete damit die ganze Satzung, räumte das ganze Ver⸗ hältniß zwiſchen Prieſter und Laien bei Seite, war ſomit Chriſt im Sinne der Ketzer.
Ich ſollte die Weihe des Prieſters empfangen und fühlte tief in mir mein ketzeriſches Laienthum. Dieſer Zwieſpalt wurde für mich toddrohend. Ich hatte das Gelübde der Keuſchheit abzulegen, und ich kämpfte mit den Aufwallungen meines Blutes einen Kampf der Verzweiflung. Der Mann darf das Weib nicht berühren! Es iſt Kleinigkeit, ein grobes Verbot zu achten; aber auch die Gedanken⸗ ſünde vermeiden, auch den Willen, den Wunſch, die Ahnung, die Sehnſucht! Der Mann ſoll ganz Geiſt ſein und ſich von der Natur, vom Weibe, fernhalten, ſie verleugnen, ſie nicht kennen, ſie verdammen und in ſich tödten, keine Ahnung haben, daß Beide gemeinſam, Mann und Weib, den vollendeten Menſchen, Geiſt und Natur die von Gott gebotene und geſetzte Schöpfung ſind. Ja, Geiſt und Natur— es war und iſt durch die Jahrhunderte immerdar und überall derſelbe Streit. Wo haben wir Gott? Wo lauert unſer der Teufel?— O ſüßer Reiz der Weiblichkeit, Zauber, der du über die Welt ge⸗ kommen biſt, ſie zu beſeligen!— Ich kannte dich nicht, ich wußte, ein Kloſterzögling, nicht was Liebe ſei. Aber in der Ahnung fühlte ich dich, in der einſamen Zelle empfand ich von Ferne ein Rauſchen wie von Fittigen, einen Hauch, der über die Welt kommt, will ſie des Daſeins Wonne ſchmecken und fühlen!— Wer, ſüße Allmacht, ſteht außerhalb deiner Kreiſe? Wen, und flöhe er bis an den Rand des Meeres, erreichte nicht dein Pfeil? Alle Ereaturen beſeelt dein Strahl des Lebens, dem niedrigen Sklaven der Scholle, dem Wurme, gibſt du Momente, die ihn beflügeln, und den Heiligen in der Wüſte überkommt das Gefühl der Abſtinenz wie Wolluſt. O armer Menſch, der du dich einen Geſalbten des Herrn nennſt! In der lauen Sommernacht, wo alles Leben Liebe athmet, der leiſe Wind mit deinen Locken buhlt und deine Schläfe küßt, der Vogel ſich üppig wiegt im wehenden Hauch, die ſchwirrenden Käfer, des Tages Geſchöpfe, im Glücke der Liebe aufleuchten, vergehen und ſterben— . Trieb, den du, große Allmacht, den Deinen gibſt, kann er
B. V. Kühne, Die Freimaurer. 14


