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trieb mich in meinen Gefühlen und Gedanken aus derſelben hinaus, machte mich heimathlos in der Welt des Geiſtes, jagte mich ſteuer und compaßlos auf das öde weite Meer der Irre.
„Iſt Chriſtus tauſendmal in Bethlehem geboren, Und nicht in dir: ſo biſt du ewig doch verloren!“
So ſtand's in ſeinen Büchern, und dies Wort wurde in meinem Innern zu einer Flamme, die mich verzehrte. Der Gott, den wir im Heiligenſchrein anbeten, und der vor uns in der Wandelung ſein Myſterium feiert, half mir nicht dazu, ein wahrer Chriſt zu ſein. In mir ſollte der Gott ſeine Stätte haben und wohnen, in mir wollte er geſpeiſ't und getränkt ſein, in mir ſelber ſollte Chriſtus geboren werden, zur Sprache kommen, ſeine Schmerzen, ſeinen Tod erleiden, aber auch in und mit mir auferſtehen. Da ſtand ich denn wieder an dem Abgrunde, vor dem mir graute: entweder war die Satzung, die man der Welt überlieferte, oder die Stimme der Natur, die in mir laut ward, der wahre Gottesbegriff. Galt jene, die Satzung, ſo war ich, wie die Sodalen ſagten, ein Kind des Teufels. War die Stimme, die in mir rief, die rechte, Gott wohlgefällige, dann war all' das Thun, das mir geboten ward, der ganze heilige Dienſt, das ganze Prieſterweſen Lug und Irrthum.
Ich hatte noch nicht die Jahre, um die Gelübde abzulegen; aber der Dispens war aus Rom gekommen, Euſebio hatte ihn mir erwirkt, ich konnte, ich ſollte, trotz der Unreife meines Alters, Prieſter werden. Man rechnete mir die Frühreife meines Geiſtes, auch wohl den tadelloſen Wandel, meine Führung, für ein Verdienſt an, das mich ſchneller als ſonſt zu einem Werk- und Rüſtzeug in Gottes Reiche befähige. Ich war, während man mir dies Zeugniß ſtellte, nie unwürdiger, die Weihen zu empfangen. Ich hatte gründlich nach Wahrheit gerungen und war in die bodenloſe Unergründlichkeit tiefer Verzweiflung geſunken. Die Sünde meiner Serupel konnte ich Keinem beichten, denn jeder Spruch von Außen war für den Zwie⸗ ſpalt in meinem Innern Partei; ich konnte keinem Geſalbten des Herrn geſtehen, daß ich ſeine Macht, zu löſen und zu binden, für ein bloßes Mährchen hielt; ich konnte Niemand bitten, mir meine Sünde zu vergeben, indem ich ihm geſtand, daß ich ihm dieſe Fähig⸗ keit zur Sündenvergebung abſprach. Was mich drückte, war wie eine


