Teil eines Werkes 
2 (1855) [Xaver Dubois]
Entstehung
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tung beſtimmt, die zur Aufgabe hat, allen Völkern das Heil zu ver⸗ künden, aber jedem in ſeiner Weiſe, ſo daß in Rom am heiligen Dreikönigsfeſte, wie einſt am Pfingfifeſte, die Kirche noch immer in allerlei Zungen den Herrn verkündigt. Ich ſollte Miſſionär werden, ich ſollte Proſelyten machen, nicht mit Feuer und Schwert, nicht mit der Gewaltſamkeit der Dominicaner, auch nicht mit Hinterliſt und Ränken, ſondern mit der einzig rechtmäßigen Waffe des Geiſtes, mit Milde und jener Klugheit, die den Bedürfniſſen der Menſchen zu Hülfe kommt. Ich lernte leicht die fremden Sprachen; in der Fertig⸗ keit, in einer anderen Zunge zu reden, glaubte mir Euſebio das rechte Werkzeug zu geben, um ein Volk, das von Rom abgefallen, zur Gemeinſamkeit einer alle Welt wieder umfaſſenden Kirche zurück⸗ zuführen. In jeder fremden Sprache lernte ich aber zugleich mit dem fremden Volke denken und fühlen. Indem ich die Glaubenslehren der Ketzer, um ſie widerlegen zu können, ſtudirte, lebte ich mich in deren Sinnesweiſe ein. Wer ſtand meinem Lehrer, dem weiſen Manne, dafür, daß ich, ohne an's Ziel zu kommen, auf halbem Wege ſtecken blieb?

Pater Euſebio ſuchte meinen Ehrgeiz zu ſtacheln; er malte mir ferne Zonen, fremde Zuſtände mit goldenen Farben vor mein Auge; er ſuchte meinen Stolz zu reizen, den Sieg über abgefallene Fürſten und Völker mir als eine Genugthuung für mich ſelbſt hinzuſtellen. Ich hatte keinen andern Ehrgeiz als meine Wiſſensluſt, keinen an⸗ dern Stolz als meinen Wahrheitsdrang. Um mich für Miſſionen im deutſchen Norden zu befähigen, lernte ich deutſch. Das Studium dieſer Sprache führte mich zu den Myſtikern Eurer Nation, und hier gerieth ich in meinen Ueberzeugungen an ein Ziel, das mich entweder zum Wahnſinn oder zum Selbſtmord trieb. Ich ſtudirte die Verſe eines Poeten aus der Zeit des dreißigjährigen Glaubenskrieges, die tiefſinnigen Exaltationen jenes Johannes Scheffler Sileſius, der aus Schmerz über die Zerrüttung, in die der wilde Krieg ſein Vaterland geſtürzt, ſein Heil in der Rückkehr zur alten Kirche ſuchte. Das Gefühl der alten Zugehörigkeit zu einem großen, einigen Ganzen gab ihm Beruhigung; aber was er aus der evangeliſchen Freiheit mitbrachte, trug noch immer genug Zündſtoff in ſich, um einen Ketzer zu machen. Was ihn in den Schooß der alten Kirche zurückführte,