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mich gleichſam geopfert, um ſich mit der Kirche zu verſöhnen. Ob ſonſt bei meiner Uebergabe in das Findelhaus, das mit dem Collegium disciplinariſch im Zuſammenhange ſtand, ein Wahr- und Kennzeichen meiner Geburt mit überliefert und vorhanden, ſchien mir nicht glaublich. Nie gelangte eine Kunde, eine Nachfrage, ein Zeichen der Theilnahme bis zu mir in's abgepferchte Kloſterhaus. Euſebio war mir Lehrer, Pfleger, Freund, Vater, Alles. Und doch konnte ich ihn nicht lieben, denn er erzog mich allzu abſichtlich für ſeine Zwecke.
Inzwiſchen wurden die Differenzen im Collegium mit meinen Genoſſen immer ſtärker. Euſebio erwarb mir den Dispens, bei ihm im Profeßhauſe zu wohnen. Es gehört zu den Ordensregeln, daß der Jeſuit, deſſen Ich eigentlich in der Geſellſchaft ſtirbt und todt iſt, nicht als Individuum, ſondern nur zu Zweien exiſtirt. Er iſt todt für Alles in der Welt, lebendig nur für die Ziele, die ihm ein Oberer ſtellt. Nach einer alten Satzung heißt es: Zögling und Jünger Jeſu, du biſt Leichnam in dir ſelber, du lebſt nur in Gott, und was Gott will, ſagen dir deine Oberen! Nur zu Zweien wohnen die Schüler Loyola's und zu Zweien gehen ſie aus; jeder iſt der Spion des Anderen, lebt gleichſam nur in der Beobachtung der zweiten Perſon, ſeines alter ego. Meine Sonderlingsnatur ward jedem Mit⸗ genoſſen unerträglich, blos weil ich allzu einfach in meinen Be⸗ dürfniſſen, allzu keuſch und ſtreng in der Pflichtvollziehung war. Es wurde mir leicht, und war nicht mein Verdienſt; aber ich forderte endlich, daß ich um deswillen kein Gegenſtand des Hohnes ſei. Euſebio, damals noch Pater Rector, befreite mich von dem Zwange des Zwie⸗ geſpanns; ich wohnte bei ihm, war ſein Sodale, brauchte nur ihn zu begleiten, erſchien wie ſein zweites verjüngtes Ich. Wie er Pro⸗ vinzial wurde und zu Reiſen genöthigt war, blieb ich oft mondenlang mir ſelbſt überlaſſen und konnte frei über mich ſelbſt verfügen. Nur daß ſeitdem ein Anderer insgeheim jeden meiner Schritte begleiten, mein Thun und Laſſen beobachten und über mein Verhalten mit Umgehung der Inſtanz des Rectors und Provinzials nach Rom berichten mochte. Daß Euſebio ſelbſt, nachdem er bei der Neuwahl zum Ordensgeneral übergangen, unter höherer Controle ſtand, war eben ſo glaublich. Er hatte mich für das Seminar in
Rom, für das Collegium der Propaganda, für jene großartige Stif⸗
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