Teil eines Werkes 
2 (1855) [Xaver Dubois]
Entstehung
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Ich war in meiner Unſchuld ſchon reif zum Ketzer, noch eh' ich wußte was Ketzerei ſei.

Pater Euſebio hatte Theil an meiner Entwickelung, ohne zu ahnen, welchem Ziele ich entgegenging. Er hatte ſich von früh an meiner bemächtigt, ohne daß ich jemals den Beweggrund ſeiner Vor⸗ liebe für mich erfuhr. Schon im Findelhauſe, wo ich unter den Händen der barmherzigen Schweſtern erwuchs, war er der Einzige geweſen, der nach mir gefragt, mich belobt, mich angeeifert hatte. Die Frau, die mich geboren, war todt; die Kirche, ſagte man mir von früh, werde meine Mutter ſein. Mein Vater war wenn nicht ebenfalls geſtorben, doch verſchollen; ich war, ein Kind in Windeln, nur mit der Bezeichnung meines Taufnamens Saverio, der Anſtalt übergeben; Euſebio ſagte, er vertrete Vaterſtelle an mir, er wolle mein zweiter, mein geiſtiger Vater ſein, da mein leiblicher für mich todt ſei.

Ein Kind der Sünde im gemeinen Sinne, ein heimlicher Neben⸗ ſchößling war ich nicht: deſſen hat mich mein Freund und Lehrer wie⸗ derholt verſichert; aber ich war wegen eines ſchweren Vergehens in meiner Familie der Kirche, dem Orden Jeſu gelobt. Nur wenn ich das Gelübde erfüllt und Prieſter der Kirche, Mitglied der Geſellſchaft Jeſu geworden, ſolle ich Aufſchluß über meine Geburt, Aufſchluß über das ſchwere Vergehen der Meinigen erhalten, das Pater Euſebio als einen Abfall von Gott bezeichnete, von dem aber zu ſprechen ihm verboten ſei, weil man es in Rom für Todſünde erklärt. Euſebio war kein Finſterling; er gehörte im Gegentheil zu den aufgeklärten Prieſtern der alten Kirche, die es wohlmeinen mit den Fortſchritten der Menſchheit, aber dieſe Fortſchritte freilich nur für ein Heil erach ten, wenn die Welt dazu langſam erzogen, geiſtig dafür reif gemacht wird. Ein Genueſe von Geburt, mit dem kecken Piratenzug in den Linien des Geſichts, der den Söhnen jener Felſenſeeſtadt eigen, nährte ſein Geiſt im Zuſammenhange mit einer weitverzweigten Genoſſenſchaft edler Männer großartige Plane zu einer Reform der Kirche im Sinne des fortſchreitenden Jahrhunderts. Seine weitgreifende Weltkenntniß, die er ſich in Frankreich und auf den bedeutendſten Miſſionsplätzen ſeines Ordens verſchafft, ließ ihn offenen Blickes die Möglichkeiten einer Neugeſtalt der Kirche an Haupt und Gliedern erfaſſen. Er ging,