Teil eines Werkes 
2 (1855) [Xaver Dubois]
Entstehung
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nicht beſſer, aber ich hatte mehr Blut, ein ſtärkeres Naturell, das war 3 alles; aber es ward auch die Urſache meines Zerfalles mit dem Kloſter vus und mit der Kirche. Anfangs der Liebling der ganzen Anſtalt,

gelobt, gefeiert, geprieſen, ward ich bald Allen eine Qual, ein ewiger, n wenn auch ſtummer Mahner, der ohne es zu wollen ihre Schwächen un entlarvte, ihr träges Gewiſſen aufſtörte. Ich war enthaltſam, dienſt⸗ it eifrig und pflichtgetreu. Aber ich war es in einem Grade, der den iin Läſſigen, ſelbſt den ſonſt Wohlwollenden unbequem ward. Meine zw Tugend erſchien Andern läſtig, meine Enthaltſamkeit, mir leicht, weil jin ich geſund und Herr meiner Kräfte war, galt für lächerliche Thorheit, i mein Wiſſensdrang für Hochmuth, ja für ein Symptom vom Geiſt des ben Böſen. Das rief in meiner jungen Seele einen Stolz wach, den ur ich vergeblich zu brechen ſuchte, den ich endlich auch nicht brechen ite wollte. Mein Selbſtbewußtſein führte mich zum Abſcheu der Schwäche, nn die ich um mich her wahrnahm. Dieſen Haß gegen die Armſeligkeit, ut die nicht entſchieden ſündigen, und nicht entſchieden tugendhaft ſein

kann, dieſen Haß gegen die Heuchelei, die ſich ſelbſt belügt und hin⸗ ſh hält, trag' ich in mir und will ihn mit hinüber nehmen vor den 6 ewigen Richter mit der Frage: Iſt die Sünde, die die Natur begeht, ni weil ſie offen und wahr iſt, verabſcheuungswerther als die Lüge Derer, N die Gott zu dienen vorgeben und doch heimlich mit dem Teufel buhlen zn und ihm in ihrem Fleiſch huldigen? Ich ſah Andere leicht ſündigen, k eben ſo leicht ihr Vergehen beichten und ſich Abſolution verſchaffen. in Meine Seele war ſchuldlos; die Stimme der Natur und meines Ge⸗ u wiſſens ſagte mir, ich habe Recht, wenn ich in der Beichte nichts un Böſes von mir zu bekennen wußte. Man konnte mir nichts vorwerfen, u gegen die Regel des Ordens, gegen das Gebot der Satzung, gegen 3

den Dienſ des Tages mir keinen Fehl nachweiſen; aber man nannte in

mein offenes Bekenntniß, nichts Böſes von mir zu wiſſen, den wahren ut Hochmuthsteufel. Das machte mich Anfangs ſtutzig, dann aber nach in und nach für die Wahrheit reif: daß der Gott, den die Prieſter ſin lehren, ein anderer ſein müſſe als der Gott, der in unſerm Innern ae ſpricht. Chriſtus ſelbſt, den wir doch unſern Herrn und Meiſter i8

nennen, ward deſſen inne, als er den Gott der Satzung nicht mehr ſ

für den wahren hielt, das Geſetz des alten Bundes zerbrach und it

in der Kindheit des Menſchen zu Gott einen neuen Bund ſtiftete. 4 .