nen; er ſichtigel ſch ihm. wl ich
enügte,
— 201—
elternloſe Waiſe, ſo viel ich wußte, war ich der Anſtalt als ein Ver⸗ mächtniß der Meinigen an die Kirche übergeben. Die Wildheit meines Temperamentes widerſprach dem Beruf, zu dem ich durch den Wahn frommer Gemüther beſtimmt war. Nicht daß ich als Knabe im Dienſte läſſig war, mich gegen die Eintönigkeit des Uſus, die Strenge der Disciplin empörte. Ich war der eifrigſte in der Meſſe, mein Fleiß in der Schule überflügelte die Genoſſen. Aber ich hatte kein Genüge an dem Einerlei der klöſterlichen Lebensordnung. Waren die Uebungen gethan, die Leiſtungen vollzogen, ſo war noch immer ein Reſt menſch⸗ licher Kraft, menſchlicher Begierde in mir vorhanden, der nach einem Gebrauch meiner Mittel, nach einer Befriedigung meiner Wünſche verlangte. Nur ſelten durchbrach ich aus Uebermuth den Gang der Ordnung im Kloſter, weit öfter verlangte mein Sinn ſtärkere Aufgaben, härtere Bußübungen, größere Probleme, als es der erſchlaffte Sinn unſerer Hierarchen für nöthig und für bequem hielt. Nicht an der Kühnheit der Wagniſſe, nicht an der Luſt, das Leben der Men⸗ ſchen zu beherrſchen, nicht an der Größe der Aufgabe, das Fleiſch der Welt zum höheren Dienſt der Kirche zu knechten: an der Schlaff⸗ heit des Wollens, an der Unfähigkeit, große Ziele anzuſtreben, an der Armſeligkeit ſchwacher Seelen, an der Geiſtloſigkeit der Gewöh⸗ nung, iſt die Weltherrſchaft der Prieſter zu Grunde gegangen. Ich war der Eifrigſte unter allen Büßern im Kloſter, ich ſchwang auf den entblößten Nacken am unbarmherzigſten die Geißel, war der Frühſte auf zur Mette, der Letzte, der den karg zugemeſſenen Nachtſchlaf ſuchte. Aber ich war leider auch im Durſt nach Wiſſen der Unerſättlichſte. Was die Sodalen ermüdete, regte meine Begierde erſt an; was jene erſchöpfte, ſtachelte meine Kräfte erſt zu neuer Thätigkeit. Ich redete in allen Zungen, wie es die Propaganda des Glaubens“ für alle Völker und Zonen nur wünſchen kann, ich triumphirte in der Löſung der ſchwierigſten Probleme über alle Mitbewerber, ja als Schüler bald über alle meine Lehrer. Das machte mich ſtolz und übermüthig. Ich ſpottete über die Grenzen, die die Wohlweiſen in ihrer Arm⸗ ſeligkeit, die ſie Demuth nennen, ſich und mir ſteckten, ich verachtete die Weichlinge, die ſich nicht blutig geißelten, ich verhöhnte zugleich die Feigen, die vor der Verheißung der Bibel: der Geiſt erforſchet alle Dinge, ſelbſt die Tiefen der Gottheit! zurückbebten. Ich war


