Teil eines Werkes 
2 (1855) [Xaver Dubois]
Entstehung
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ſinnloſen und knechtiſchen Ueberlieferung, die Sehnſucht nach dem Naturzuſtande war damals wie ein fanatiſcher Drang über die Welt gekommen. Die Edleren, die Strebenden, verſtanden unter derNatur das Aſyl der verfolgten Unſchuld und Liebe. Die Heloiſe war eines jener Bücher, welche die damalige Menſchheit nicht juſt reif, aber doch lüſtern machten, eine Neugeburt in allen Dingen zu erleben. Welch' eine erſchütternde Beredtſamkeit in dieſen Briefen, die freilich zu allem verführen kann, heute zum Selbſtmorde aus tiefem, gerechtem Menſchen⸗ haß, morgen zur Lebensluſt aus Tugend und heiligem Gefühl! Wie gefällt ſich ein junges Gemüth in der Rolle des Saint Preux, eines Weltweiſen, der Vernunft und Weltweisheit in den Himmel erhebt, ohne einen Funken davon ſelbſt zu haben! Und noch weit hinreißender iſt der Schmelz Juliens mit dieſer Hingebung des Geiſtes, dieſer willigen Empfangensluſt, dieſer Zärtlichkeit des Herzens, welcher Saint Preux, gleich zart und empfindſam, als einzige Rettung für fie und ſich die Spitzfindigkeit ſeiner Sophiſtik entgegenſetzt. Julie iſt der Philoſoph im Buche; ſie iſt nicht Saint Preux's, ſie iſt Rouſſeau's Schülerin; ihr leiht er ſeine ſchönſten, hingebendſten Gedanken. Das Geſchlecht lernte hier zum erſten Male, daß die Vernunft nicht blos ein kluger Pedant, ſondern auch begeiſtert, eine Schwärmerei ſein könne für die heiligſten Lebensgüter. Nicht die Beweisgründe des Buches ſcheinen mir ſein eigentlicher Inhalt zu ſein. Ich verſtand ſie nicht, ich las auch nur mit halben Sinnen, wo Rouſſeau überzeugen, mathematiſch definiren will. Die Stimmung, in die er ſein Jahr hundert verſetzte, die Empfindung, zu der er befähigte, darin war er unüberwindlich. Die Begeiſterung hat er geweckt; ſie iſt ſeitdem nicht wieder erſtorben in der Menſchheit, die Begeiſterung, Wache zu halten für die heiligſten Güter des Lebens, der ſüße Reiz leiden⸗ ſchaftlicher Gefühle für die Wahrheit, jene faſt wollüſtige Empfindung, die aus Schmerz und Bewunderung zuſammengeſetzt iſt. Wolmar, der Atheiſt, ſagt: Die Natur kann nicht irren, Alles an ihr iſt gut. Saint Preux ſagt: Von Natur iſt der Menſch weder böſe noch gut, ſondern neutral. Julie ſagt mit Auguſtin's Prädeſtinationslehre: Gott hat Einige gut, Andere, ſehr Viele, böſe geſchaffen. Wer Julien bei⸗ pflichtete, fühlte das Verlangen nach einer Gemeinſchaft der Edlen, das Bedürfniß nach einer Loge ſchöner Seelen.