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In denſelben Augenblick brach unter dem Gewicht, das man gegen ſie ſtemmte, die kleine Tapetenthür, die vom Ballſaal in's Zimmer führte, krachend zuſammen; mit Lichtern und Dienern, die ſie trugen, ſtanden der Reichsgraf, der Prinz ſammt einer Schaar von Lauſchern auf der Schwelle, der alte Herr mit flammendem Ge⸗ ſicht, Prinz Emil bleich und fahl, in den Mienen der Andern Schreck und Entſetzen. Vom Geräuſch und Lichtglanz erſchreckt, fuhr Juſtine zurück und barg ihr Haupt an meiner Schulter.
„Lichter fort!“ rief ich die Lauſcher bedeutend.
„Glaub's ſchon!“ murmelte der Reichsgraf im finſtern Groll; Alle aber bannte der Schreck über das Bild, das vor ihnen ſtand, während ich die Schläferin auf das Ruhebett lehnte und beide Hände über ſie breitete, um ihre Augen vor dem Kerzenlicht zu ſchirmen.
„Wird denn der Hokuspokus und Firlefanz bald enden? Die Gaunerei, der wälſche Lug und Trug!“ In dieſe Worte brach plötz⸗ lich der Reichsgraf mit ſeiner Donnerſtimme aus und fuhr wie ein angeſchoſſener Eber wüthend auf mich ein. Juſtine ſchreckte aus dem Schlaf empor, ſprang in die Höhe, rieb ſich die Augen, die Stirne, ſtarrte uns entſetzt an, griff mit beiden Händen in ihr Haar und warf ſich laut weinend in die Kiſſen des Lagers zurück.
„Spitzbüberei der Charlatanerie!“ ſchrie der Reichsgraf von neuem und erfaßte mich mit beiden Fäuſten an der Schulter. Ich ſprang zurück, griff an die Degenſeite und rief empört:„Signor,
ich bin ohne Waffen, bin Euer Gaſt, bin in Euerem Hauſe— und in
Gegenwart all' dieſer Zeugen?“
Er fühlte erſt an der Bitterkeit meines Tones, wie ſtark er ſich vergeſſen, ſich ſelbſt entehrt. Er ſchüttelte ſein Haupt, als bäumte er ſich gegen das Eingeſtändniß der eigenen Verſchuldung, hob dann ſeine Hand und gebot den Begleitern zurückzutreten, unter dem Be⸗ deuten, er habe mit dem Herrn da allerdings ein Geſchäft unter vier Augen. Die Uebrigen traten hinter die Tapetenthür, deren ſchwache Seitenwand ſie von uns trennen, die Verhandlung der Oeffentlichkeit entziehen ſollte. Juſtine lag verhüllten Hauptes in den Kiſſen.
„Unglücklicher Mann!“ rief ich,„wollen Sie nicht dies theuere Leben ſchonen?“


