Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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war und wie feſtgebannt in meiner Lebensluft blieb. Ich wußte mich doppelt, ich empfand, daß eine andere Natur über mich gebot. Zu⸗ gleich überkam es mich wie eine Ahnung und Mahnung, ein großes Unheil zu verhüten.

Wie der Mond am Himmel ſtand, hielt ich das quäleriſche Gefühl von heranziehenden Gewitterwolken, die meinen Lebenshimmel bedrohten, nicht länger aus; ich eilte hinüber in die Vorzimmer der Wohnung der Comteſſe. Zitternd fuhr mir die Kammerfrau entgegen, mit allen Zeichen des Schreckens mir meldend, der Reichsgraf ſei mit dem Leib⸗ arzt und noch zwei anderen Perſonen dageweſen und habe die Gräfin lang und breit ausgefragt; ſie habe nur geſagt, was Jedermann wiſſen könne. Auf der Treppe habe Se. Erlaucht von einer Gaunerei, n einem Betruge geſprochen, den er entdeckt. Im Nu war die eängſtete Duenna fort, und doch lag mir ob, ihr eine Mahnung für ihr weiteres Verhalten in der Behandlung der Schläferin zuzu⸗ raunen.

Mit Anbruch der vollen Nacht wollt' ich mein Lager ſuchen, aber es trieb mich auf, ich mußte Thür und Fenſter öffnen. Es duldete mich auch dann nicht im Zimmer, ich ging in das Gemach, das an den Ballſaal ſtieß, trat gedankenlos an den Harmonikaflügel, legte die Hand in die Taſten, fuhr aber plötzlich vor dem Gedanken zurück, die Schläferin herbeizulocken. In demſelben Augenblick klirrten im Corridor die Scheiben, der Fenſterflügel rauſchte auf und die weiße Geſtalt Juſtinens, wie geſtern im Nachtgewande, aber ſicherer und dreiſter, ſchritt den Gang hinunter auf mich zu. Ich war dies Mal entſchloſſen, ſie bei'm Namen zu nennen, ſie wachzurufen, um zu er⸗ fahren, was hierbei blos Traum oder Wahrheit ſei. Im Eifer, auf ſie zuzuſchreiten und mich ihrer zu bemächtigen, nahm ich kaum die Kammerfrau wahr, die hinter ihr herſchritt, noch weniger das Geräuſch, das von der entgegengeſetzten Seite laut ward. Die Zofe ſtürzte außer Athem auf mich ein, mit Gebährden der Angſt, mit Worten der Furcht, von denen ich nur halb und halb:belauſcht, entdeckt! heraushörte. Juſtine ſtand kerzengrade vor mir, betaſtete mir Stirn und Schläfe, und ſprach dann geiſterhaft daſſelbe Wort, das ſie mir geſtern geſagt:Ich vertraue dir, ich muß dir insgeheim ein Geſtändniß machen!