Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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Der Reichsgraf lachte wild auf.Unglücklicher? wiederholte er,wollt Ihr mir vielleicht dazu verhelfen, ein unglücklicher Vater, Vater einer unglücklichen Tochter zu ſein?

Signor, ſagte ich,ich mache Sie verantwortlich für die Folgen!

Mich verantwortlich? rief der Reichsgraf,mich, der ich Euch zur Rechenſchaft ziehen will? Darum alſo, mein Herr Graf, ſind Wunder noch alle Tage möglich? Das ſind Euere Wunder: ſchlafende Mädchen bei nächtlicher Weile von ihrem Lager zu locken?

Der Prinz war bei Seite getreten. Er verbeugte ſich und machte eine abweiſende Gebährde.Unter ſolchen Unſtänden, ſagte er,verzeiht, Erlaucht! Er machte Miene, ſich zu entfernen. Ich mußte ſelbſt darum bitten, daß er blieb; er war Tages zuvor Zeuge geweſen, wie ich den Starrkrampf, der ſich Juſtinen's bemäch⸗ tigte, löſte und linderte.Ich rufe Gott zum Zeugen an, rief ich, daß ich an dieſem theueren Leben keinen Raub bezweckt, keinen Frevel verübt! Daß ihre Empfindungen eine Richtung genommen, über die ſie ſelbſt nicht Herr geblieben, wer will darüber zu Gericht ſitzen? Und noch war vielleicht Alles eine bloße Irrung der Phantaſie, die ſich im Traum ein Genüge verſchaffte. Vom Schleier der verſchwie⸗ genen Nacht würde verdeckt geblieben ſein, was eine bedrängte, irre Mädchenſeele nur dem Monde geſtanden. Ihr aber habt das keuſche Geheimniß mit roher Fauſt aufgedeckt. Seht ſelber zu, wie Ihr damit auskommt, über die ſtillen, der Nacht vertrauten Bekenntniſſe einer Mädchenſeele zu Gericht zu ſitzen! Die Beiſaſſen Eueres Ge⸗ richtshofes habt Ihr ja bei der Hand, die Zeugen gleich mitgebracht, um Anklage und Urtheil öffentlich zu machen!

Nicht das Opfer, nicht die Verführte wird angeklagt! rief der Reichsgraf.

So richtet Euere Anklage wider mich, ſagt' ich,was iſt geſchehen?

Was geſchehen? wiederholte der Alte,finde meine Tochter bei nachtſchlafender Zeit in ſeinen Armen und ſoll noch Rede ſtehen und ſagen, was geſchehen?

O mein Gott! rief ich in der Angſt meiner Seele über die Rohheit dieſer Barbarei.