Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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Schlummer zu gönnen, ſie in Frieden zu laſſen. Ich zog mich dann zurück und ſuchte auf einem Umwege den Eingang zum Ballſaal.

Der Prinz, der den Transport begleitet hatte, ereilte mich auf dem Corridor, der beide Schloßflügel verband. Es war ein langer bedeckter Gang von Glaswänden und Fenſtern, die nach einem Licht⸗ hofe gingen. Dicht zur Seite lagen die von mir eingenommenen Gemächer. Drüben begann die Reihe der Zimmer des linken Flügels, welchen die Damen des Hofes bewohnten.

Welch' ein ſeltſamer Zuſtand! ſagte der Prinz noch ganz außer ſich, indem er lebhaft meinen Arm erfaßte.

Noch nicht ſo ſeltſam, war meine Entgegnung,als die harte Barbarei der Mittel, mit denen man hier zu Lande gegen Traum⸗ anfälle ſolcher Art zu Felde zieht! Es iſt das erſte Geſetz für den Arzt, die Krankheit nicht zu hemmen. Auch liegt die Quelle der Geneſung nicht außerhalb des Leidenden. Gräfin Juſtine iſt von Kindheit auf falſch behandelt. Ihr Gemüthsleben iſt geſtört, weil man es unterdrückte, und die zurückgedrängte Phantaſie flüchtet ſich in den Schlaf und geſtaltet ſich die Träume bis zu leibhaften Er⸗ ſcheinungen. Darum ihre fieberhaften Ahnungen, ihr Nachtwandeln. Stört man das, ſo bricht der Traum als Wahnſinn mitten in die Wirklichkeit herein!

Sie iſt im wachen Zuſtande ſo kalt, ſo todt! ſagte der Prinz.

Eben deshalb, entgegnete ich,ſie iſt das Opfer der Despotie des nüchternen Verſtandes, der hier das Sccpter ſchwingt. Man pflege ihr Gefühlsleben, man ſchrecke nicht ihre Phantaſieen zurück,

dann wird ihr Geiſt ein Genüge finden mitten auf der Scholle der

Wirklichkeit! Sie iſt vielleicht ein Naturell wie ihre Mutter, ein Kind des Südens, eine Pflanze, die hier die nordiſche Zugluft hin⸗ dert, ſich frei zu entfalten. Weder das Klima, noch die Etiquette des Hofes, weder die kalte Herrſchaft der Vernunft, noch die hier landesüblichen religiöſen Vorſtellungen paſſen für ein ſo zart und weich organiſirtes Gemüth.

Sie meinen, Gräfin Juſtine hätte bei dem Naturell ihrer Mutter eine Neigung der Prinz ſchwieg plbtzlich und ſah mich argwöhniſch an.