Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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der Seele in ihr Auge blickte, fuhr ſie leiſe in ſich zuſammen, als erinnerte ſie ſich der Situation.Verzeihung, mein altes Uebel! ſeufzte ſie, und eine Thräne über ſich und ihren Zuſtand zitterte aus ihren Wimpern. Sie lehnte ſich wieder zurück, ſenkte und hob ihr Auge und blickte mich hülfeflehend an. Meine Fingerſpitzen zuckten, es war mir, als ſei alles Feuer meiner Seele in die Nervenenden meiner Hand gefahren. Eine unendliche Wehmuth überfiel mich; ich gedachte des Rabbi, wie er die aufgeſtörten Lebensgeiſter meines Pirrho mit ſeiner Handbewegung gebändigt und gemildert. Wie ich Aug' in Auge mich über ſie beugte, hob ich unwillkürlich meine Hände wie zum Gebet, wie zur Abwehr alles Böſen über ihr Haupt, ſtrich niederwärts über Hals und Buſen und rief in heißer Angſt bebend und flüſternd nach dem guten Geiſt zur Sühnung und Beruhigung. Juſtine lag ſtill; ein Fittich des Friedens breitete ſich bei der dritten Handbewegung über ſie. Wie ihr Augenſtern ſich hob und nach oben unter die Höhlung trat, lächelte ihr Mund zum Zeugniß ihrer Beruhigung.

Was thun Sie, Graf Latour? fragte der Prinz ängſtlich. Ich bedeutete ihn ſtill und wies auf die Schläferin, die ihm ſelber Rede ſtehen ſollte.Wie iſt Ihnen, Gräfin? fragte ich leiſe in ſie hinein.

Sanft und gut! hauchte ſie in tiefen Zügen.Wie auf Flügeln des Windes hebt es mich hinauf bis in die Wipfel der Buchen und Tannen; ſie beugen und neigen ihre Häupter, ſie be⸗ decken meine ganze Geſtalt, der Athem der Liebe Gottes greift über die Saiten meiner Seele. Jetzt, jetzt, höher hinan, ich woge und webe in Licht und Aether, Alles iſt Liebe und Milde. Ach, wer küßt meine Stirn?

Dann ſchlief ſie feſt und tief; ich ließ von ihr ab, ich taſtete nach meinen eigenen Händen, nach meiner Stirn, die heiße Tropfen bedeckten. Von der entgegengeſetzten Thür nahten Schritte, die Damen vom Gefolge der Gräfin eilten mit Dienern herbei. Ich machte Ruhe und Schonung zur Pflicht; der Schlaf werde ſie er⸗ quicken und heilen, ſagt' ich. Ich empfahl, ihr die Kleidung zu erleichtern, ſie in ihr Gemach auf ihr Bett zu tragen. Den Prinzen beſchwor ich, den ſo eben hereintretenden Arzt zu zwingen, ihr den