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dem Kinde zum Spielzeug gegeben, als Einziges und Letztes, was ihm von der Verewigten geblieben. Juſtine hatte damit getändelt, aber das Spiel ward verfänglich, als ſie an dem Kranze ihr Nacht⸗ gebet herzuſagen begann. Das erregte Eiferſucht, Argwohn, Zorn; mein Bruder Erlaucht entriß ihr Beides, und ſeitdem ſtand ſie oft Nachts träumend auf, es zu ſuchen. Auf ihre Bitten, ihr die theuern Angedenken wiederzugeben, erfolgten Zornausbrüche über Götzendienſt und Narretheien. Seitdem Crucifix und Roſenkranz drüben im Archiv beigeſteckt worden; hat die nachtwandelnde Träumerin kein anderes Ziel für ihre Sehnſucht als den alten runden Thurm. Na⸗ türlich wird Nachts jeder ihrer Fufßtritte ſorgſam gehütet. Sie hat aber doch ſchon mit verſchmitzter Liſt ihre Wächter getäuſcht!“
Ich ſuchte früh mein Zimmer. Die ganze Nacht über war mir zum Sterben weh; die Diſſonanzen im Leben der Menſchen bedrückten meine Seele, ich mochte den Schlaf ſuchen oder wach bleiben. Arme, mißverſtandene, gequälte Seele, könnt' ich dich er⸗ retten und erlöſen! Das war mein Gedanke ſchlafend und wachend. Juſtine erſchien mir wie ein gefangener, im Kerker ſtumm gewordener Vogel, der ſich an den Stäben ſeines Käfigs die Flügel zerſchlägt.
Dreiundzwanzigſtes Rapitel. Nachtwandel und Liebe.
Der nächſte Tag brachte mir wenig Beziehungen zu Juſtine. Bei der Begegnung am Morgen, wie an der Mittagstafel war ſie wieder in ihre paſſive Stille, die an Starrheit grenzte, zurückgekehrt; ihr Seelenleben hatte ſich wieder hinter die Formen, die um ſie her galten, verkrochen. Nur dann und wann warf ſie fragend und ſuchend den Blick ihres wunderbaren Auges zu mir herüber. Wie ich von meiner Abreiſe ſprach, zog ſie ſich mit allen ihren Fühlfäden in ſich zurück; ich empfand die Zuckung, die über ihr Herz lief, ſympathe⸗ tiſch in meiner eigenen Bruſt. Erſt die Nacht ſollte das Myſterium unſerer Liebe offenbaren.


