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„Ein außergewöhnlicher Mann!“ ſagte ich, wie ſie ſchwieg und ſich unterbrach.
„Aber meine Mutter!“ brach Juſtine aus und eine ſchwere Thräne zitterte in ihren dunkelblauen Augen.„In einer Villa am Strande unfern der Bucht von Genua hat ſie ihre kurze Liebe geträumt, dort ward auch der Bund von Prieſterhand beſiegelt.“
„In der Villa Speroni,“ ſagt' ich.
„Sie wiſſen? Sie waren dort?“ rief ſie.
„Ich ſah auch das Bild Ihres Vaters, Gräfin,“ erzählte ich, „in Rom, im Palaſt der Propaganda des katholiſchen Glaubens, in der Sala intima zwiſchen den Bildern deutſcher Proſelyten, in Le⸗ bensgröße, aber mit einem Trauerflor bedeckt, weil man ſich thörichter Weiſe beeilt, an ſeine Vermählung eine Hoffnung, ihn zu gewinnen, zu knüpfen!“
„Im geheimen Saal der Proſelyten ſahen Sie ſein Bild, Sie, ein Proteſtant?“ flüſterte Juſtine mit der ſcheuen Haſt leidenſchaft⸗ licher Aufregung.
„Ich bin dem Herkommen und dem Bekenntniß nach katholiſcher Chriſt!“ ſagte ich.
„O mein Gott,“ rief ſie zitternd,„laſſen Sie ihn das nicht wiſſen, Niemand hier, Niemand!“
Sie hatte mit beiden Händen meinen Arm erfaßt und drängte ſich in der Heftigkeit maßloſer Angſt an meine Seite, ich weiß nicht
Schutz ſuchend oder in der Abſicht, mich ihres Schutzes zu ver— ſichern.
Die Gräfin Tante hatte ſich mit ihren Damen dem Cabinet ge— nähert; unſer Zwiegeſpräch war beendet, unterbrochen. Der Abend verlief ſonſt einfach und ſtill. Die Herren waren zu ſpät von ihrem Ausflug zurückgekommen, um noch zum Thee bei den Damen zu er— erſcheinen. Beim Abſchiede nahm ich noch Gelegenheit, insgeheim die Gräfin Thusnelde nach Juſtinens Nachtwandeln zu befragen.„Hat ſie Ihnen davon erzählt?“ fragte die Tante nicht ohne Aengſtlichkeit, und fuhr fort:„Anfälle der Art hat ſie ſchon von früh gehabt, aber ſie ſteigerten und fixirten ſich erſt bei einer gewiſſen Veranlaſ— ſung. Von der verſtorbenen Mutter beſaß das Kind ein Cruciſix von Ebenholz und einen Kranz mit Roſenkügelchen. Man hatte das


