Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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das ihm Entfernteſte ſich hineinfühlt und hineinlebt, wird er der Hinfälligkeit der menſchlichen Creatur recht inne, und dies Inſich⸗ gehen hat ſchon vielfach Heilungen für immer bewirkt.

Man fand das mehr pſychologiſch intereſſant, als der Natur des menſchlichen Gemüthes und ſeiner Abirrungen entſprechend.—

Abends war bei der Gräfin Thusnelde Thee. Eine beſondere, an mich ergangene Einladung, nicht zu ſpät zu erſcheinen, ward für mich Urſache, an dem Ausfluge der Männer zu Pferde nicht theil⸗ zunehmen. Es war mir ſchon, als riefe mich mein Schickſal, als winkte mir ein Genius. Hilf und rette, löſe und ſühne! rief es in mir, noch eh' ich wußte wen und was!

Ich fand die beiden Gräfinnen mit ihren Damen allein. Die ſtrenge Geſellſchaftsordnung war um Vieles gemildert und erleichtert als der Troß der Pagen und Lakaien bei der Bedienung entfernt blieb. Die an den Salon ſtoßenden kleineren Gemächer mit lauſchi⸗ gen Niſchen und gothiſchen Winkeln gaben auch die Möglichkeit, ſich aus dem geſchloſſenen, aufmerkſam behüteten Cirkel zu entfernen, falls ein Wort zu äußern war, das einer Perſon allein, nicht Allen, nicht Jedermann galt.

Die Religion, und immer wieder die Religion war in dieſem traulichen Kreiſe gar bald von neuem das Thema. Als wenn in dieſen Zauberring, der die Erde mit dem Himmel, das Geringe mit dem Höchſten, das Vergängliche mit dem Unvergänglichen verbindet, alles ſonſt dem Leben Verſagte gebannt und einbegriffen ſei! Daß ich mich einen Proteſtanten genannt, der ſelbſt gegen den Proteſtan⸗ tismus proteſtire, war das Stichwort geworden, das vom Munde des Reichsgrafen wie ein Lauffeuer durch die ganze Geſellſchaft ging, und das die Aufgeklärten, obenan der Starkgeiſt Juſtus Erich ſelber, für ihre Sache, die Frauen mit ihrer unterdrückten Stimme eben ſo gut für ſich zu deuten wußten. Ich wartete nur auf den paſſen⸗ den Augenblick, wo ich mich entſchieden für das bekannte, was ich war und wofür ich daheim galt. Nur wollte ich dieſen Moment nicht herbeidrängen; war es mir doch ohnedies wichtiger, wie ich als Menſch zu Menſchen, denn als Mitglied einer kirchlichen Gemeinſchaft zu dem angeborenen heimiſchen Bekenntniß ſtand. Ich mußte vor den Damen mit dem Geſtändniß hervortreten, daß ich für die Ver⸗