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einigung ſämmtlicher chriſtlichen Confeſſionen ſei, in der römiſchen Kirche nicht und keinesweges vornehmlich und ausſchließlich die Re⸗ ligion Chriſti ſähe, aber auch keine von den proteſtirenden Secten für berufen halte, eine chriſtliche Kirche zu geſtalten. Das war zu viel für Gemüther, die in der Einſeitigkeit erzogen waren, ob ſie ſchon die harten Formen dieſer engen Ausſchließlichkeit zu durchbrechen ſich ſehnten. Gräfin Thusnelde zog ſogar den Harniſch des ſtarken Lutherthums an, als wollte ſie ſich hinter des Auguſti⸗ ners feſte Burg Gottes verſchanzen. Luther's Gemeinde, ſagte ſie, habe doch wahrlich, in Noth geboren, im Kampf geprüft, ja in Feuer und Blut bewährt, alle Merkmale einer ächten Kirche Chriſti an ſich und für ſich, eine Kirche, die ihr feſter als Petri Felſen in Rom zu ſtehen ſcheine! Ich mußte ihr entgegenhalten, daß jede Abſchlie⸗ ßung, Ausſchließung und Verwerfung, ſowie das traurige Gefolge jedes Syſtems, Erſtarrung der Doctrinen und Formen, der Freiheit Chriſti und der allgemeinen unſichtbaren Kirche, die er meine, wider⸗ ſtreite. Einen harten Kampf hatte ich bei den Angriffen gegen den römiſchen Glauben zu beſtehen. Daß dem Laien die Bibel mit ihren Dunkelheiten verſagt ſei, konnte ich nicht für unbillig halten. Daß die römiſche Kirche nicht in und mit dem Wort der Bibel ihren Abſchluß gefunden, erklärte ich damit, daß der Katholicismus ſich für eine fortgeſetzte Offenbarung halte, und die wahre Kirche, in der Chriſtus lebe, auch eine ſolche ſei und ſein müſſe. Jeder Secte be— ſtritt ich das Recht und die Befähigung, eine Kirche zu ſein. Ich mußte kraft und getreu meiner Ueberzeugung leugnen, daß ſelbſt die Augsburger Confeſſion einen andern Zweck gehabt und bekundet habe, als die wahre Katholicität, die wahre Rechtgläubigkeit ihrer Anhänger zu beweiſen, wie ſie ſich in ihrem Artikel 21 in der That verbind— lich gemacht, keine Dogmen gegen die katholiſche Kirche zu lehren und zu billigen. Ich räumte der Gräfin Thusnelde ein, daß ein Chriſtenthum, in welchem Jeder, aller geiſtlichen Vormundſchaft ent⸗ wachſen, ſich ſelbſt Prieſter ſei, allerdings als das eigentlich höhere und reinere angeſehen werden müſſe; nur daß man über die Wege zur Emancipation des Laien von aller Seelſorge des Prieſters noch nicht einig werden könne. Ich beargwöhnte die Sicherheit der Rö⸗ miſchgläubigen, ſich vom Prieſter das Heil geben und entziehen laſſen


