Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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große Geiſt, auf den alle Abbilder der Menſchen deuten, bleibt nur ſich ſelbſt ewig derſelbe, während die Vorſtellungen, die ſich die Men⸗ ſchen von ihm machen, wechſeln. Wer darf ſagen, er habe den allei⸗ nigen Gott Himmels und der Erde gefunden? Und wer es wähnt und glaubt und dem Bruder flucht, der zum ewigen Weſen in an⸗ derer Weiſe betet, dem iſt der gute Geiſt, Gott ſelbſt, der die Liebe iſt, gewiß am fernſten. Mormona, heilig biſt du mir und unantaſtbar bleibe mir dein Glaube. Nur dein Herz will ich, freilich dein Selbſt, und ohne deinen Glauben biſt du nicht denkbar. Aber wie dem auch ſei; ich glaube an die Macht der Liebe und will dein Herz, deine Hand. Ihr wollt nichts hören von Schwur und Eid, Ihr ſeid zu oft getäuſcht von den ränkevollen Menſchen; ſo gelobe ich mir ſelbſt im Namen Gottes zum Heil der Welt, ewige Treue dir und meinem Verſöhnungswerk.“

Sie ſah zu mir auf und erhob willenlos und wie im Traum ihre Hand, als ich meine Rechte gen Himmel hielt. Dann zitterte ſie heftig, ihre ganze Geſtalt drohte zuſammenzuſinken und weinend ſtürzte ſie an meine Bruſt. Sie wollte nicht mehr frei ſein, nicht mehr unabhängig; mit dem Argwohn erſtarb in ihr auch jede Kraft des ſelbſtändigen Willens. Mir anzugehören war das einzige Ge⸗ fühl, das alle Schleuſen ihres Innern durchbrach. Ihrem Volke zn leben hatte ich ihr gelobt, und dafür gewann ich ſie ſelbſt zu eigen.

Wir ſaßen ſtill beiſammen, ganz verſunken in das heilige Glück, uns als zuſammengehörig zu fühlen. Es gab für uns keine Ver⸗ gangenheit mit ihrem Fluch, keine Zukunft mit ihren Drohungen. Wie ich daran gemahnte, es ſei mein Plan, ſie bald als meinen Beſitz, als meinen Raub davon zu tragen, fand ſie kein Wort der Erwiederung; ſie lächelte, als ſchwanke ihr Herz zwiſchen Glauben und Unglauben. Im Rauſch der ſtummen Seligkeit fuhren Stunden auf ihren Schwingen über uns hin.

Plötzlich ſchreckte Mormona aus meinen Armen auf.„Pirrho!“ rief ſie. Ihr ſcharfes Ohr glaubte ſein Zeichen, ſeine Stimme zu vernehmen. Sie ſtürzte an's Fenſter, an die Thür, dann wieder zurück. —„Sei ruhig, Mormona,“ ſagt' ich ihr,„ich beſchwichtige ihn!“

„Er iſt wild in ſeinem Zorn,“ rief ſie,„er glaubt ſich ver⸗ hohnt, verrathen, er ſieht nur den römiſchen Chriſten in dir, und das