Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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zum Menſchen tritt? Bin ich dir plötzlich fremd geworden, Mor⸗ mona?“

Sie fand kein Wort der Erwiederung, ſie zitterte bang in ſich zuſammen; ſie wollte fliehen und hatte mir doch den Eingang ge⸗ ſtattet. Sie wußte nicht, was ſie wollte, indem ſie mich den ſchmalen Pfad an der Felſenwand hinführte und dann an der Schwelle der Hütte doch wieder ſtillſtand. Mir zur Linken lief der ſchaurige Ab— grund in die Tiefe und rechts, an die ſteile Wand gelehnt, hielt mich die kleine Hand des zitternden Mädchens.

Endlich trat ſie in die Thür, und wir ſtanden an dem trau— lichen Heerde.„Mormona,“ ſagt ich,„unter dieſes Dach ſollt' ich nicht mehr treten, wo ich den wichtigſten Lebenstraum geträumt, den ich zur Wirklichkeit machen will? Ich bin einer jener La Torre, in deren Adern waldenſiſch Blut fließt. Ein alter Zauber treibt uns in die Wildniß und unſer Herz ſucht nach dem reinen Thau des Himmels aus Gottes Hand. Der alte Glaubenshaß, den die Prieſter gelehrt, will ſeine Sühne. Der Ahnherr ſündigte gegen die Ahnmutter des Hauſes und der Zwieſpalt des alten Irrwahns lief bis auf unſere Tage herab. Mein Vater hielt ſeine Gattin, die ihm aus den Bergen gefolgt, für verloren, weil ſie Gott in einer andern Sprache angeredet. Mormona, was die Väter gefrevelt, ich bin be⸗ rufen es zu ſühnen! Hier, wo du hinknieteſt, um auf mein Wort zu lauſchen, ob ich die Grauſamkeit der Prieſter theilte, hier hab' ich im Stillen gelobt, zwiſchen deinem und meinem Glauben einen Friedensbund zu ſtiften. Und Nachts ſtiegen gute Geiſter in meinen Traum, mein Thun zu ſegnen. Mormona, im Namen aller jener Waldenſerinnen meines Hauſes, du ſollſt mir die Hand zum Bunde reichen. Laß uns treu aneinander halten, um die Welt vom Wahne zu befreien, laß uns Verſchworene ſein, die das heilige Werk voll⸗ führen, daß der Menſch nicht mehr den Menſchen um ſeines Glaubens willen verflucht! Gott verſteht jede Sprache des Herzens; er ver⸗ wirft weder die lallende Zunge der kindlichen Völker, noch die zitternde Stimme eines altgewordenen Jahrhunderts. In ſeinen Geheimniſſen forſcht die Menſchheit bis in alle Ewigkeit, jedes Alter, jede Stufe des Lebens, Kind, Jüngling, Mann und Greis, jedes Volk, jedes Land, jeder Himmelsſtrich ſucht und findet ſeinen Gott; und der