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Söhnen meines Hauſes erſchienen war? Seltſames Spiel des Zu⸗ falls!— Ein wirrer Nebelſchleier zog ſich um meine Sinne, um meine Gedanken zuſammen.
Ein Geräuſch hinter mir ſchreckte mich auf. Es war Giacomo, der mir nachgeſchlichen.
„Menſchen!“ rief ich,„ſeht hier die Opfer eures Irrthums! ihr waret Alle Mörder aus frommem Wahn! Aber ich will den Fluch, den ihr über euch ſelbſt verhängt, in Segen wandeln, ich will die Schmach vom Hauſe nehmen, die Gräuel eueres Glaubens beenden. Die Liebe regiere auf Erden, der Haß ſei getilgt!“
Der Alte kniete auf der Schwelle und betete eifrig, vielleicht für mein Seelenwohl. Ich verließ mit ſtummer Scheu die Räume, in denen meine Mutter ſtarb.
„Wer war um die Sterbende?“ fragte ich ihn, als wir die Gemächer ſchloſſen.“
„Eine Dienerin, die nicht mehr lebt,“ ſagte der Alte.„Dieſe hatte in der Angſt der Seele den Prieſter kommen laſſen; aber als er der Leidenden das Allerheiligſte reichte, ward er mit Unwillen wieder abgewieſen. Die Sterbende wollte das Kreuz nicht küſſen, das er ihr hinhielt.“
„Sie trug ſchwer genug an dem Kreuze, das ihr über ſie ver— hängtet!“
„Sie wollte auch zu keinem Heiligen beten! Heilige Mutter Gottes, bitt' für ſie!“
„Sie betete,“ unterbrach ich ihn,„zu der Heiligen ihrer eigenen Wahl. Darum ließ ſie ſich das Bild der Ahnmutter kommen, in deren ſtarken und feſten Blicken ſie Troſt ſuchte.“
„Sie iſt ohne Segen, ohne die letzte Oelung geſtorben!“ ſagte Giacomo.
„Ohne den Leib des Herrn, ich weiß. Vielleicht bedurfte ſie ſeines Leibes weniger, weil ſein Geiſt ſie erfüllte und ihr Muth gab, der ſchnöden Welt zu trotzen. O, ihr Verblendeten! Ihr nanntet es Verbrechen, daß ſie ſich nicht zum Herrn wandte, und ihr wußtet nicht, wie tief und ſtill ſie ihn im Herzen trug.“
„Die Heiligen wollen ihr jenſeits gnädig ſein!“ flüſterte der Alte und ſah mich betäubt und verworren an.


