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den von den Fenſtern. Der friſche Luftzug wirbelte Staub auf, die vergilbten Vorhänge zitterten, die alten Tapeten rauſchten, die dumpfe Luft und der Geruch des Moders beengten meine Bruſt. Es war ein Vorgemach, in dem ich ſtand. Ich tappte weiter und öffnete. Erſt im dritten Zimmer ſtand das Bett der Entſchlafenen mit Stuhl und Tiſch und all' der Umgebung ihrer letzten Augenblicke. Hier war ſie geſtorben; hier hatte ein freies Herz, verkannt und ver— ſchmäht, unter dumpfen Banden ausgeathmet; eine friſche Alpenroſe war hier in der ſchwülen Luft der Menſchenwelt ſo raſch verwelkt! Ich ſank in meine Kniee; der Schmerz überwältigte mich. Ich lag am Boden, ich weinte, aber gelobte eine Rache, über die alle ſeligen Geiſter im Himmel frohlocken ſollten. Labte ſich mein Herz doch an einem friſchen Quell der Liebe, konnte ich doch im Glück meiner nahen Zukunft ſchwelgen!
In der Niſche hing das Bruſtbild der Mutter; ein lachender Mädchenkopf mit flatternden Locken, eine ſpielende Heiterkeit im dun⸗ kelblauen Auge. Sie blickte in der Friſche des erſten Frühlings, in der Luſt am ſchönen Leben, in der neckenden Freundlichkeit der erſten Jugendliebe ſo hell und keck in die weite Welt, die ſich ihr ſo bald eng und düſter verſchloß. Und hier, ſo dicht neben ihrer blühenden Geſtalt, das Bett und die traurigen Zeugen eines kummervollen Todes! Dem Bett gegenüber, den feſten Blick mir zugewendet, hing das Bild der waldenſiſchen Ahnfrau, in ganzer Geſtalt, in aufrechter Haltung, in der ſteifen, ſtolzen Tracht einer Dame des Hauſes von ehedem. Sie war es, die mir in der Nacht erſchien, als ich im Traume meine Hand nach Mormona ausſtreckte; nur war damals ihre Stirn mit einem hellen Schein umzogen, der Mantel der Kö⸗ nigin des Himmels breitete ſich um ihre Schulter.— Was wollte mir dies dunkelblaue Auge ſagen? Blickte es ſtrafend herunter oder warnend? Dieſe Züge waren ſo lebendig, dieſe weiße Hand ſtreckte ſich ſo frei heraus, als wollte die ganze Geſtalt aus dem Rahmen ſteigen und mich erfaſſen. Plötzlich war mir's, als liefen die Züge der Ahnfrau, die Züge der Mutter, die Züge Mormona's durchein⸗ ander. Daſſelbe dunkelblaue Auge, daſſelbe lichtbraune Haar und der ſchelmiſche Zug der ſanft geſchwellten Lippen. War das immer
nur, nach Zeit und Alter wechſelnd, dieſelbe Geſtalt geweſen, die den D. B. V. Kühne, Die Freimaurer. 26


