das Ziel: Mormona um jeden Preis und gleichviel mit welchem Glauben und Bekenntniß mein zu nennen.
Pirrho hatte raſch angeſchirrt und trieb mich mit geſchäftiger Eile fort. Ich wollte heim; er ging ſeinem Gewerbe nach. Der Strahl der Morgenſonne ragte noch nicht bis in die Schlucht hinab, aber umſäumte die Spitzen der Felſen und die bretterne Hütte, die wie ein Neſt zwiſchen den ſteilen Wänden hing. Mormona ſchlum— merte noch; Engel Gottes breiteten die goldenen Flügel um das kleine Haus. Wir ſaßen auf, ohne ſie begrüßt zu haben.
„Alſo Ihr wollt wiederkommen?“ rief mir Pirrho zu, nachdem wir eine Zeitlang ſchweigend neben dem Eſel, ich hüben, er drüben, fortgeſchritten waren.
„Unter der Bedingung, daß du nach Santa Maria kommſt,“ ſagt' ich.
„Nach Santa Maria!“ wiederholte er.„So ſeid Ihr einer von den Leuten des alten geſtrengen Grafen, der ein waldenſiſch Mädchen zur Frau gehabt? Bei einer Jagd auf Wilddiebe hatte er ſie mit einem Rudel friſcher Burſche aufgefangen. Er gab den ganzen Haufen wieder los; dafür folgte ſie ihm wie eine getreue Magd in's Schloß. Und ſeitdem treibt kein Waldenſer mehr Dieberei im Ge— biete von La Torre. Es gibt der Reviere noch ſonſt genug. Das arme waldenſiſche Kind ward aber doch wohl ein Opfer Euerer Prieſter von Gottes Gnaden. Sie ſagen, ſie ſei plötzlich geſtorben, noch vor meiner Zeit. Nun, ſie ermorden Keinen mehr in ſeiner heilen Haut; ſo grauſam iſt man nicht mehr. Aber wer weiß, ob die arme Ketzerin im alten Schloſſe drüben nicht noch im Verſteck lebt unter Martern und Foltern! Sie ſagen, es gehe im Schloſſe um. Vielleicht ſind es die ehrwürdigen Herren ſelber, die wie Vampyre umgehen und Seelen fordern!“
„Menſch, du lügſt!“ ſchrie ich auf.„Muß denn Alles in der Welt ein Gewebe von Lug und Trug ſein!“
„Meinetwegen,“ ſagte er,„ich bin gegen Geſpenſter aller Art gewaffnet.“— Er zog ein Stilet aus dem Gürtel und ſteckte es ruhig wieder ein.—„Man ſagt,“ fügte er hinzu,„der junge Graf ſei ein ſehr finſterer Herr. Wird wohl in den Händen der heiligen


